Zucker aufgeben in 11 leichten Schritten

Viele von uns sind süchtig nach Zucker. Willst du es dir abgewöhnen und die zu nichts taugenden öden Kalorien aus deinem Leben verbannen? So bekommst du deine Gier in 11 einfachen Schritten in den Griff – selbst wenn du wirklich und ehrlich auf Mars stehst

Von Zoe Williams

The Guardian, 13. Januar 2014

1 Erkenne deinen Feind

Es ist lustig sich Ernährungstipps auf ernährungspoltitischer Ebene anzuschauen; Regierungen und ihre Agenden behandeln Adipositas immer, als wäre sie ein Problem der Auskunft oder – salopp formuliert – der „Kenntnis“. Wenn die Leute nur wüssten, wie viel Zucker in einem Twix ist, würden sie einfach etwas anderes essen.

Dieses Wissensdefizit existiert nicht: Es gibt niemanden auf der ganzen Welt, der komplizierter über Kalorien informiert wird als jemand, der fettleibig ist. Die einzigen Menschen, die echt nichts von Brause wissen, sind die Behörden selbst, die einen Fehler begehen, den wir aus einem anderen Bereich kennen, d.h. sie verbinden das problematische Verhalten – in diesem Fall übermäßiger Zucker – mit den Menschen, die ihnen ein Problem bereiten. Menschen zum Beispiel, die Limo trinken (außer Prosecco). Also predigen sie zwei Verhaltensmuster, die nahezu identisch sind, ernährungstechnisch formuliert, als entgegengesetzte Pfeiler von Gut und Böse. „Trinkt Fruchtsaft; trinkt keine Mirinda. Trinkt Direktsaft; trinkt keinen McDonalds Milchshake.“ Mal ehrlich, am Ende taucht ein verärgerter Ernährungsberater auf und sagt: „Es ist nur der Zucker, der dich nicht satt macht und selbst deinen Durst nicht besonders gut stillt.“ Und alle stürzen sich auf sie und schimpfen sie einen Quacksalber, obwohl sie Recht haben.

Es ist nur der Zucker; er macht mit deinem Blutkreislauf immer dasselbe, und erzeugt einen Appetit nach mehr von sich selbst, so wie Glimmstengel und Schnaps. Lassen wir den kolossalen Schwachsinn der Lebenswandelkampagne des Gesundheitsministeriums einmal beiseite, besteht die einzig richtige Richtschnur darin: Siehst du es als Sucht oder nicht? Wenn du darin eher ein Problem der Selbstkontrolle siehst, etwas, auf das du ein wenig zu sehr stehst und hinkriegen musst, dann besteht kein Grund mehr, es von deiner Diätliste zu streichen, als Twitter zu benutzen, nur weil es deine Zeit aufzehrt und bedeutet, dass du nie etwas schaffen wirst. Du musst nur einen Schritt machen, der Schritt hin zu „weniger“.

Wenn du es als Sucht betrachtest, dann wird reduzieren nicht ausreichen, und ich verweise dich auf Schritt 2-11.

2 Kalter Entzug

„Aber was ist,“ sagte ich zu Fränkie von Pure Package, einer Firma, die täglich, perfekt ausgewogene Mahlzeiten an Leute mit Geld verschickt, „wenn du dich wirklich total nach einem Marsriegel verzerrst?“ Ich habe Diätberater angerufen (jobtechnisch!) seit Atkins1 in Mode war. Es wird welche unter euch geben, die sich nicht an den Ausbruch des Krieges gegen den Weizen erinnern können, die nicht einmal geboren waren, als das Brot zum Feind wurde. Überlegt euch das.

Soundso, was mir immer gefällt, ist ihre Vorstellung von absurden Alternativen. Man könnte also sagen: „Was ich wirklich liebe sind Butterhörnchen.“ und sie werden sagen: „Das ist einfach! Du kannst ein paar Cashew-Kerne in eine selbstgemachte Butter verrühren und sie auf etwas Grünkohl schmieren.“ Das war für mich der Grund, die Marsfrage an Fränkie zu stellen, sie zog aber nicht. „Die einzige Art die Begierde nach Zucker zu stillen, ist sie wie eine Sucht zu behandeln und auf kalten Entzug zu gehen. Man kann nichts lindern das brennt. Wenn du wirklich keinen Zucker mehr willst, dann musst du auf kalten Entzug gehen.“

3 Vorsicht vor Früchten

Nochmal Fränkie: „Früchte sind uns heilig, darum essen wir zuviel davon.“ Tatsächlich gibt es nichts grundsätzlich tolles an Fruktose; Ich will sagen, du kannst zu sehr auf diese Gewächse stehen und dann klingst du wie ein Hippie. Sicher, Fruktose ist besser als Glukose, denn sie geht einher mit Ballaststoffen und Vitaminen. Aber an und für sich ist sie um nichts besser, und sollte (immer noch Fränkie) mit Körnern oder Nüssen einhergehen. Das würde die Insulinspitze, die die Früchte in deinem Blutkreislauf verursachen, senken. Insgesamt sollte es nicht begrenzt werden, aber man sollte es auch nicht als etwas betrachten, das man immer und in Unmengen essen kann.“ Generell gilt, je höher der Wasseranteil, desto niedriger der Zuckerspiegel, darum sind Orangen besser als Bananen. Orangen sind auch besser als Mangos. Orangen sind eigentlich, wie sich herausstellt, die einzigen Früchte.“

4 Und Vorsicht vor Naturheilkunde

Einige Definitionen: „Diätisch“ ist der einzige Begriff, der professionellen Anforderungen unterliegt. Jeder kann Ernährungswissenschaftler sein. „Naturheilkundler“ nennen sich Ernährungswissenschaftler, wenn sie ein bisschen mehr nach New Age klingen wollen, als sie es ohnehin schon tun. Der Begriff in der Mitte erweckt den meisten Argwohn, basierend auf der Annahme, dass nur weil dein Bereich nicht beruflich anerkannt ist, du nichts weisst und keine Informationen verarbeiten kannst. Menschen denken dasselbe auch häufig von Journalisten; diese Annahme ist falsch.

Das heißt, Ich habe mit Lifestyleguru Carole Caplin gesprochen, und sie riet mir am kommenden Tag etwas zu tun, und Ich sagte: „Unglücklicherweise werde Ich mich heute Nacht total betrinken, darum werde Ich morgen höchstwahrscheinlich kein Pilates/Zirkeltraining/Zumba2 machen wollen.“ Sie starrte mich mich tränenden Augen an, und sagte: „Ich versuche nicht zu viel Schokolade zu essen, aber manchmal drehe Ich durch. Am nächsten Tag aß Ich um acht Stücke Green & Black’s (Bioschokolade). Und danach gings mir schrecklich, Ich hatte Kopfschmerzen und Schüttelfrost und kam nicht aus dem Bett. Wogegen, wenn Ich nur zwei Stücke gegessen hätte, bin Ich sicher, dass der Körper damit fertig geworden wäre.“

Die Sache ist die: Ich bin nicht überzeugt, dass das wirklich geschehen ist.I ch glaube, sie benutzte Schokolade als Metapher für das Saufen, und versuchte eine gemeinsame Sprache zu finden, die wir beide verstehen.“

5 Alkohol aufgeben

Viele Trinker denken, sie seien keine Naschkatzen; tatsächlich verhöhnen sie Leute, die es sind. Fakt ist, sie nehmen den ganzen Zucker mit dem Alkohol zu sich und wenn sie es je mal für nur zwei Tage sein ließen, würden sie merken, dass sie unglaublicher Schleckermäuler sind.

6 Gary Barlow

Man kennt den Witz: „Wie weiss man, dass jemand einen iPod besitzt? Weil er es dir sagt!“ Das passt sehr gut zu dem Steuersparer von Take That. Wie weiss man, dass Gary Barlow 30 Kilo abgenommen hat? Weil er es dir sagt. Genauer gesagt, er hat gemerkt, nach Jahren des Versuchens und Irrens, „dass er nicht den Körper hat, um zu essen was er will“ und danach strich er Zucker, Alkohol, jede feste Nahrung nach 14 Uhr, und raffinierte Kohlehydrate. Ich weiss! Er könnte er nicht mehr Sex-Appeal haben.

Der Punkt ist, dass Barlow jetzt im toten Winkel der zucker- und weizenlosen Ernährungskette steht, und wenn du jemals wissen willst, wie man aus Hanf einen Kuchen macht, dann google „Gary Barlow + Kuchen aus Hanf“ (und zwar englisch, also: „Gary Barlow“ + „cake out of hemp“ Anm. d. Ãœbers.).

7 Getreide unterscheiden

Das ganze Problem der Kohlehydrate und Zucker ist von Leuten wie Sarah Ferguson unwiderruflich beschmutzt worden, die Dinkel aß und dann sagte: „Ich habe mich weizenfrei ernährt und die Kilos fielen von mir ab.“ und jeder sagte: „Boah. Das ist abgefahrenes Feng Shui, wenn man davon ausgeht, dass Dinkel nur eine Weizensorte ist.“

Fast alle Kohlehydrate werden in Glukose umgewandelt, außer Ballaststoffe; je weniger Ballaststoffe, desto mehr wird umgewandelt, bis du ein Pappbrot isst, das im Grunde ein Glucosescheibe ist, aber ohne die rätselhafte Feuchtigkeit.

Solltest du nicht sicher sein, ob ein Kohlehydrat raffiniert oder nicht raffiniert ist, frage dich – dachte Ich immer: „Könnte Ich dafür töten?“ Hotdog, ja. Graupenrisotto, nein. Butterhörnchen, ja. Grünkohl mit Cashewbutter, nein. Die Stärke deines Verlangens ist ein Maß für die Glukose, die darin steckt. Das bedeutet a) alle raffinierten Kohlehydrate sollten bei der Zuckerentgiftung wie Zucker behandelt werden, und b) Zucker zu vermeiden, man vermeidet (aslo) wirklich alles, wonach einem wirklich der Sinn steht.

8 Ein Leben ohne Zucker

Was Zucker verschafft ist nicht, wie du vielleicht denkst, Süße, sondern Struktur. Wenn du also einen weizen- und zuckerlosen Kuchen hast (das eine hat ohne das andere keinen Sinn), ist es unmöglich, Alternativen zu finden, den Weizen mit Nüssen und den Zucker mit Früchten zu ersetzen, mit Kokosnussöl, Agave, oder Mixturen davon. Die Nüsse sind trocken und die Früchte zu feucht, darum ist das Ergebnis pampig und matschig und dein Mund wird verputzt wie mit Lehm, eine Art ekelhaftes Futter, wobei das Problem nicht der Geschmack ist, sondern das Gefühl. Es ist besser, sein altes Leben nicht zu wiederholen, sondern, in anderen Worten, sich neue Hobbys zu suchen, wie zum Beispiel lesen.

9 Paläonahrung

Die beste Diät für alle um Zucker abzuschaffen, ohne gegen das Copyright von WeightWatchers zu verstoßen, besteht darin, zu essen wie deine Vorfahren – sehr wenig Früchte, nahezu kein Getreide, viel Fleisch und jede Menge Betätigung, wenn du auf dem Laufband stehst und dich als Räuber des Steaks siehst, das du später essen wirst. Anhänger dieser Methode verweisen darauf, dass unsere Steinzeitvorfahren viel gesünder waren als wir, keine Probleme hatten mit Sucht, Krebs oder irgend einer einer anderen Krankheit unseres modernen Zeitalters. Erbsenzähler verweisen darauf, dass die posthume Krebsdiagnose bis zur Entdeckung der Krankheit um etwa 1600 v.Chr. (kurze Zeit nach der Altsteinzeit) sehr lückenhaft war; und, darüber hinaus, dass viele Ahnen vor allem durch andere Faktoren umkamen (Dinosaurier!), und das es unmöglich zu sagen ist, wie dick sie geworden wären, wären sie älter geworden.

Ich habe dies mit Palionahrung verwechselt, und dachte, es hieße essen wie ein Jockel, was einen Cocktail aus Chips, Energieriegeln und Viagra bedeuten würde.

10 Zuckerfreie Alternativen

Im Grunde sieht die Flugkurve zuckerfreier Alternativen so aus: wird entdeckt; wird von allen gelobt; gibt’s bei Penny; es gibt Hinweise, dass es nicht so toll ist wie man dachte; wird für etwas anderes aufgegeben, das man inzwischen entdeckt hat. Stevia-Predigerin Amanda Ash-Boyd beschreibt diese Wunderzutat: „Dieser vermeintliche Naturersatz für Zucker ist nicht sehr natürlich, in dem Sinn, dass es wahrscheinlich viele chemische Prozesse durchläuft, um es als Nahrungsadditiv verwenden zu können.“

11 Hör einfach auf, es zu essen. Was bist du, ein Kleinkind?

Oder, diplomatische formuliert als Ash-Boyd es tut: „es geht nur darum, sicher zu gehen, dass man sich ausgewogen ernährt, sodass man nie in die Lage kommt, dass der Blutzucker sinkt.“ Das beinhaltet pausenloses Naschen von Lebensmitteln mit niedrigem Glykämiegehalt, Nahrung die hauptsächlich aus Humus bestehen, oder dich an Humus erinnern oder Dinge, die Humus genannt werden, es aber nicht sind, um Leute in Versuchung zu bringen, die nur Humus essen (Butterbohnenhumus. Ernsthaft. Ist das Humus?). Man kombiniert es mit Haferplätzchen, oder etwas mit Pumpernickel (Achtung: nicht mit deutschem Weihnachtsgebäck; Da ist Zucker drin!), und du achtest gar nicht auf die Leute, die dich anstarren und mit Sicherheit denken: „Ich wünschte sie würde anständig essen, und nicht wie so ein Kamelkoala.“

Das ist eine Art sich zu schützen.“ fährt Ash-Boyd fort, „Die andere besteht darin, wenn du ein starker Zuckerkonsument bist, man gewissenhaft damit umgehen muss. Sich vielleicht einmal ein paar Tage davon zu entwöhnen. Und dann, wenn er erstmal aus deinem Blutkreislauf raus ist, ist es viel einfacher das Verlangen zu bekämpfen.“

Kalter Entzug, siehste? Es geht nur um kalten Entzug.

Quelle: http://www.theguardian.com/lifeandstyle/2014/jan/13/sugar-how-to-give-up-11-easy-steps

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

1http://de.atkins.com

2http://www.uni-bielefeld.de/Benutzer/MitarbeiterInnen/Gesundheit/neu/zumba.html

Ein Gedanke zu „Zucker aufgeben in 11 leichten Schritten

  1. Thorsten Ramin

    Der Mensch ist von Haus aus auf Süßes programmiert. Die wirkliche Gier auf Zucker wird jedoch dadurch ausgelöst, dass Zucker im Gehirn das Belohnungssystem aktiviert und über die Ausschüttung von Dopamin den süßen Geschmack als positiv speichert. Ein suchtähnliches Verhalten ist die Folge.
    Das Buch „Zucker – Der heimliche Killer“ erläutert die Wirkung von Zucker im Körper, die unterschiedlichen Zuckerquellen und beantwortet die Frage, wie Zucker krank macht. Gleichzeitig zeigt er Zuckeralternativen auf und bietet gesunde Süßspeisenrezepte sowie ein ein 4-Schritte-Entwöhnungsprogramm.

    Zuckerkonsum in Form von verarbeiteten Lebensmitteln begünstigt schwer behandelbare Zivilisationskrankheiten. Wohl dosiert verhelfen die richtigen Zuckerarten jedoch zu Gesundheit und Wohlbefinden. So gibt das Buch einen Überblick über die Wirkungsweise von Zucker, die unterschiedlichen Zuckerquellen und beantwortet die Fragen, wie Zucker krank bzw. gesund macht und welche süßen Alternativen es zum gewöhnlichen Haushaltszucker gibt. Außerdem hilft das 4-Schritte-Entwöhnungsprogramm dem Leser, seinen Zuckerkonsum zu kontrollieren und ggf. auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Zu guter Letzt wird im Rezeptkapitel gezeigt, wie man leckere Speisen mit gesunden Zuckeralternativen zubereitet.
    http://www.narayana-verlag.de/Zucker-Der-heimliche-Killer/Kurt-Mosetter-Anna-Cavelius-Thorsten-Probost-Wolfgang-A-Simon/b15679

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