Warum die Pakistaner sich nach Stabilität sehnen?

BBC NEWS, 29. August 2014

Von Ahmed Rashid

Pakistan braucht und verdient bessere Anführer – aber es braucht auch Stabilität und ein Ende der Partien zwischen Politikern und Generälen, erörtert Gastkolumnist Ahmed Rashid.

Als Imran Khan vor drei Wochen seine Bewegung gründete, die für den Rücktritt von Premierminister Nawaz Sharif und neue Wahlen steht, dachte der Ex-Kricketspieler, die Nation würde zu seinen Gunsten aufstehen.

Die Massen sollten nach Islamabad strömen und die bloße Anzahl die Regierung entsetzen und zum Abdanken zwingen. Letzten Endes war Herrn Sharif erstes Amtsjahr bisher ziemlich glanzlos. Alle Probleme, die sich ihm vor einem Jahr stellten, haben sich verschlimmert.

Was aber wirklich geschah, war genau das Gegenteil. Die Nation satand gegen Imran Khan und seine Förderer auf, und ihre Behauptungen, die Wahlen im letzten Jahr seinen manipuliert worden. Fast die gesamte Politik unterstützte Herrn Sharifs Verbleib im Amt – selbst seine politischen Feinde im Parlament.

Die Geschäftswelt, Händler, die Zivilgesellschaft, die Medien, Juristen und die Gerichte sprachen sich alle für eine starke Unterstützung für die Regierung, der Verfassung und des Status quo aus. Viele von ihnen bezeichnen Imran Khans Forderungen als illegal und nicht verfassungskonform – aber darum ging es nicht.

Die Wahrheit ist, das niemand noch eine Krise will, mehr Aufstände, einen weiteren Regierungswechsel, der die Armee unmittelbar ins Spiel bringen könnte.

Eine deartige Reaktion hatte man nicht erwartet. Imran Khan wurde mitgeteilt, dass Nawaz Sharifs Administration zusammenstürzen würde wie ein Kartenhaus, er selbst würde aus Pakistan fliehen und Pakistaner seinen Abgang begrüßen.

Stattdessen hat das Land Stellung bezogen . Nicht unbedingt zu Gunsten von Herrn Sharif, aber zu Gunsten von Stabilität. Und da lagen Imran Khan und seine Berater – von denen eine Menge Minister alter Militärregime oder Spionagechefs sind – komplett falsch.

Nach Jahrzehnten militärischer Putsche, politischer Wirren, der Ermordung Benazir Bhuttos, dem Wachsen des islamischen Terrorismus, einer kollabierenden Wirtschaft und den Erfahrungen der Neunziger, als Regierungen gewählt wurden und umfielen wie Kegel – sterben die Menschen für die Beendigung der Aufstände.

Letztes Jahr hatten sie es, als zum ersten Mal ein gewähltes Parlament der Pakistanischen Volkspartei PPP (die auch als korrupt und unkompetent gilt) ihre Amtszeit ohne militärisches Eingreifen beendete, Wahlen abgehalten wurden und eine neue Regierung mit einem Votum gewählt wurde, das nach Westminster Standards nicht frei und gerecht war, aber als gut genug von den meisten betrachtet wurde, für den ersten Schritt Richtung Demokratisierung.

Selbstverständlich hat Nawaz Sharif sich in seiner Arroganz böse verrechnet, dass er Imran Khans wesentlich früheren Forderungen nicht zustimmen müsse, vier Wahlbezirke überprüfen zu lassen. Hätte er das im letzten Jahr getan, wären dem Premierminister und dem Land vielleicht der ganze Wirbel erpart worden.

Auch ist nicht Imran Khans Ego das Problem (er wird gern als „Kapitän“ oder eben „Premierminister“ angesprochen). Bei der Krise geht es nicht um Persönlichkeiten und ihre Zusammenstöße.

Auch geht es nicht um Familienbande, trotz Herrn Sharifs fragwürdiger Auftritte – wenn er sich weigert ein komplettes Kabinett zu ernennen, oder der Partei und dem PArlament mehr Verantwortung zu überlassen oder demokratischer zu handeln. Stattdessen besetzt seine Familie die meisten Schlüsselposten und wichtigsten Berater, mitunter die unerfahrendsten Mitglieder der Familie. Selbst seine Partei ist seinen Familienklüngel satt.

Darüber hinaus sind die Leute von den angeblichen Einmischungen in politische Angelegenheiten durch Pakistans mächtiges Militär und seinen gefürchteten ISI (Inter-Services Intelligence ) genervt.

Darum steht keine der naheliegenden Lösungen in Pakistan – ein Militärputsch, die Amtsenthebung von Herrn Sharif, Neuwahlen – bei der großen Mehrheit der Mmenschen des Landes hoch im Kurs. Dafür wollen sie Stabilität besseren Schutz, damit sie ihr Leben weiterführen können.

Wenn die Menschen zwei Dinge von der Regierung fordern, sind das besseres Regieren und eine wachsende Wirtschaft. Das ist nicht viel, aber Imran Khan verspricht nichts. Er hat nur versprochen der nächste Premierminister zu werden.

In Wirklichkeit besteht sein eingentliches Versprechen in noch mehr Wirren und ggf. mehr schlechten Tipps von seinen vielen Beratern.

Ebenso muss der Ruf nach Stabilität direkt an die Armee kolportiert werden. Die Menschen sind die Spielchen des Militärs jetzt leid, das als Gehilfen islamische Gruppen unterstützt hat um Kaschmir, Afghanistan und Zentralasien zu zersetzen – um schließlich festzustellen, dass dieselben Leute zurückkehren um gewöhnliche Leute zu bedrohen.

Heute sind die pakistanichen Taliban und ihre Verbündeten und die Gruppen, die Lahore und Städte im Punjab bewohnen, genauso brandgefährlich wie der Islamische Staat (IS) in Syrien und im Irak. Die Menschen in Pakistan wollen Stabilität, nicht islamischen Extremismus. Sie wollen Bildung um Möglichkeietn und Arbeit zu haben – nicht Erlösung im Jenseits.

Vielleicht wird die Geschichte des vergangenen Monats dafür sorgen, dass die Leute von der Demokratie nichts mehr erwarten, von der Notwendigkeit für Stabilität jedoch bestimmt.

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

Quelle:

http://www.ahmedrashid.com/publications/pakistan/articles/