The Overstory / Das Kronendach

KIRKUS REVIEW – Das Kronendach von Richard Powers

Powers’ (Orfeo, 2014, etc.) zwölfter Roman ist ein Meisterwerk in opernartigem Rahmen, mit neuen Hauptfiguren und mehr als einem halben Jahrhundert amerikanischer Biografie.

In diesem Werk befasst sich Powers mit dem Thema Natur, oder unserem Verhältnis zur Natur, gefiltert durch die Augen des Umweltaktivismus, obwohl der Kern des Buches eher einen existentiellen Bezug hat. Wie häufig in Powers Dichtung, nimmt es langsam Gestalt an—zunächst in einem Potpourri von Erzählungen, die Figuren erschaffen (einen Psychologen, eine Studentin, die kurz verstorben war, aber wiederbelebt wurde, ein querschnittsgelähmter Computerspielanimateur, ein obdachloser Veteran), und dann, auf rein zufällige Weise treffen diese Personen aufeinander und brechen aus. „Wir alle reisen gemeinsam auf der Milchstraße, Bäume und Menschen.“ schreibt Powers, und zitiert damit den Naturforscher John Muir. „Auf jedem Spaziergang durch die Natur bekommt man mehr als man sucht.“ Der Gedanke ist wichtig, weil Powers erforschen will, wie wir werden wer wir sind, individuell und kollektiv, und Verantwortung für den Planeten und uns selbst übernehmen. Nick, zum Beispiel, setzt ein Projekt fort, das sein Großvater begonnen hatte, abermalige Fotos von einem einzelnen Kastanienbaum zu machen, „eins pro Monat, siebenundsechzig Jahre lang.“ Pat, ein zukunftsweisender Botaniker, entdeckt wie Bäume miteinander kommunizieren, einzig um diffamiert zu werden, doch dann, eine Generation später, wird er bestätigt. Was die Figuren verbindet ist Überleben—das Überleben von Bäumen ebenso wie von Menschen. Das Gros der Handlung entfaltet sich während dem Holzkrieg in den späten 1990ern, als die Figuren an der Pazifikküste zusammen antreten, um Mammutbäume aus Primärwäldern vor Holzfirmen zu retten. Für Powers allerdings wird politischer oder Umweltaktivismus zum Filter, durch den man die Verbundenheit aller Dinge betrachten muss—nicht nur die Menschen, die er manchmal in quälend verschachtelten Ausmaßen porträtiert, sondern auch der Lebensraum, wiewohl der eigentliche und der natürliche. „Hier beginnt die Welt.“ betont Powers, „Das ist der reine Anfang. Leben kann alles tun. Du hast keine Ahnung.“

Eine großartige Leistung: Ein Roman der, gelegentlich, ebenso optimistisch wie fatalistisch ist, und idealistisch ohne naiv zu sein.

Quelle: https://www.kirkusreviews.com/book-reviews/richard-powers/the-overstory/

Das Kronendach

Ein gewaltiger Roman über eine andere Vorstellung unseren Platz in der lebendigen Welt durch einen unserer „wunderbar talentierten“ (New York Review of Books) Romanautoren.

Ein Lademeister der Air Force im Vietnamkrieg wird vom Himmel geschossen, und dann gerettet weil er in einen Feigenbaum fällt. Ein Künstler erbt hundert Jahre fotografischer Aufnahmen, alle von der selben todgeweihten amerikanischen Kastanie. Eine am Nachtleben nagende Studentin in den späten 80ern tötet sich per elektrischen Schlag selbst, stirbt, und wird von Luft- und Lichtwesen wieder zurück ins Leben gesandt. Ein hör- und sprachbeeinträchtigter Wissenschaftler entdeckt, dass Bäume miteinander kommunizieren. Diese vier, und fünf weitere Fremde – alle irgendwie von Bäumen herbei bestellt – kommen zusammen zu einem letzten und gewaltsamen Widerstand, um die letzten Morgen des ursprünglichen Waldes auf dem Kontinent zu retten.

Mit seinem zwölften Roman verabreicht der Gewinner des National Book Awards eine mächtige, leidenschaftliche Erzählung über Aktivismus und Widerstand, die gleichzeitig eine verblüffende Beschwörung – und eine Hymne – der natürlichen Welt ist. Von den Wurzeln zur Krone und wieder zurück zu den Samen. Das Kronendach entfaltet sich in konzentrischen Kreisen verzahnte Fabeln, zwischen dem New York vor dem Krieg (!) und den Holzkriegen des pazifischen Nordwestens im späten Zwanzigsten Jahrhundert und darüber hinaus untersucht sie den wesentlichen Konflikt des Planeten: denjenigen zwischen Menschen und nicht-Menschen. Es besteht eine Welt neben der unseren – riesig, langsam, vernetzt, reich an Schätzen, wunderbar schöpferisch und für uns nahezu unsichtbar. Dies ist die Geschichte einer handvoll Menschen, die lernen diese Welt zu sehen und die in ihre wachsende Katastrophe hineingezogen werden.

Das Kronendach ist ein Buch für alle Leser, die der der selbstverschuldeten Trennung der Menschheit vom Rest der Schöpfung den Kampf ansagen und die an eine Möglichkeit der umgestaltenden Möglichkeit der Heimkehr eine Chance geben. Wenn die Bäume dieser Welt sprechen könnten, was würden sie uns dagen?

Hör zu. Da ist etwas, das du hören musst.“

Quelle: http://www.richardpowers.net/the-overstory/

Übersetzung: Thorsten Ramin