Talibangruppen starten Angriffe in Pakistan und Afghanistan

Bombenangriff tötet 13 Menschen in der pakistanischen Stadt Rawalpindi und Rebellen greifen NATO-Lager in Zhari, Afghanistan an

Jon Boone in Lahore und Emma Graham -Harrison

The Guardian

20. Januar 2014

Die Arme der Taliban in Pakistan und Afghanistan haben am Montag provokative Angriffe in der Nähe von Militärbasen verstärkt, die letzten in einer Serie von spektakulären militärischen Schlägen auf beiden Seiten der unruhigen Grenze.

In der pakistanischen Garnisonsstadt Rawalpindi tötete ein schnell fahrender Suizid-Attentäter auf einem Motorrad 13 Menschen, mitunter fünf Soldaten, nachdem er sich an einem Kontrollpunkt ganz in der Nähe des Hauptquartiers der mächtigen Armee des Landes in die Luft sprengte. Noch viel mehr Menschen wurden verwundet.

Die Verantwortung übernahm die Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), eine Koalition pakistanischer Gruppen, die sich die sich dem Namen nach auf Mullah Omar berufen, dem Anführer der afghanischen Taliban.

Rawalpindi ist nur eine kurze Fahrt von der Hauptstadt entfernt und ist der Heimatort von Pakistans halber Million starker Armee, die schwer frustriert ist von der Weigerung der Regierung, ein Durchgreifen gegen bewaffnete Gruppen zu unterstützen.

Ebenso versuchten Rebellen am Montag sich ihren Weg in eine NATO-Basis in Zhari zu erkämpfen, einem der ländlichen Distrikte an der Grenze zu Kandahar im südlichen Afghanistan.

Afghanische und ausländische Militärvertreter sagten, ein Selbstmordattentäter in einem Auto voller Sprengstoffe habe versucht ein Loch in die Mauer der Basis zu schlagen, bevor acht bewaffnete Angreifer in ausländischen Uniformen und Sicherheitswesten versuchten, hinein zu stürmen.

Eine Sprecherin der NATO-Mission in Afghanistan spielte den Vorfall herunter, indem sie sagte: „Es entstand mäßiger Schaden an der äußeren Begrenzung der Basis, aber sobald sie versuchten durchzubrechen, wurden sie alle getötet.“

Zhari – einst Heimat des einäugigen Taliban-Anführers Mullah Omar – hat einen besonderen symbolischen Wert für die Bewegung. In den frühen 90-ern, noch bevor die damals undurchsichtige Bewegung ihre Eroberung Afghanistans einleitete, leitete Omar eine Moschee in der Gegend.

Die USA steckten beträchtliche Mittel in den Versuch, die Taliban aus dem Distrikt zu vertreiben, was ein Teil von Obamas Truppenaufstockung war, aber ein jüngerer Geheimdienstbericht warnte davor, dass viele der militärischen Errungenschaften, die man in den vergangen Jahren davontrug, bis 2017 wieder verloren sein könnten.

Obwohl sowohl die TTP und die afghanischen Taliban Mullah Omar Treue geschworen haben, sind die beiden Organisationen verscheiden. Dennoch genießen beide Schutz in Pakistans unruhigem Grenzland, und es gibt beachtliche Überlappungen zwischen den beiden.

Die Angst nimmt in Pakistan wie in Afghanistan zu, ob das Ende der von den USA geführten Kampfhandlungen in Afghanistan in diesem Jahr noch mehr Gewalt und Instabilität auf beiden Seiten der Grenze schaffen.

In den vergangenen Tagen sind diese Sorgen durch eine Serie besonders spektakulärer Angriffe verstärkt worden.

Am Freitag überfiel eine Gruppe der Taliban in Kabul ein Restaurant und tötete 21 Gäste, mitunter viele Ausländer.

Am Sonntag erlitt die pakistanische Armee einen der schlimmsten Einzelangriffe, als eine Bombe auf einem privat gemieteten Laster, bei der Vorbereitung zum Transport von Patrouilleneinheiten aus ihrer Basis in der nordwestlichen Stadt Bannu explodierte, 26 tötete und genauso viele verletzte.

Pakistans Premierminister, Nawaz Sharif, reagierte, indem er eine Reise zum Weltwirtschaftsforum im Schweizer Skiort Davos absagte.

In diesem Monat haben Bewaffnete der TTP bereits Chaudhry Aslam getötet, einen ranghohen Polizisten aus Karatschi, der bekannt für seine rücksichtslosen Methoden gegen die aufsteigende Macht der Taliban in der ausgedehnten Küstenstadt war.

Und vergangenen Freitag griff die TTP einen Fernseh-Übertragungslastwagen an und tötete drei Angestellte von Express News Media, die ein TTP-Sprecher beschuldigte, sie „richten ihre Propaganda gegen uns.“

Die pressewirksamen Angriffe haben eine lange schwelende Kontroverse wieder entfacht, ob Pakistan auf die Bedrohung durch die TTP kämpfend oder verhandelnd reagieren soll.

Sharif ist entschlossen zu verhandeln, auch wenn sein sieben Monate im Amt von regelmäßigen Angriffen der TTP überschattet wurden.

Bisher haben alle Friedensangebote zu nichts geführt. Die meisten Strategen urteilen, dass die Strategie dem Untergang geweiht ist, angesichts der extremen Forderungen der TTP und der langen Geschichte militanter Gruppen, die Friedensübereinkünfte bechen.

Aber der führende Oppositionsführer Imran Khan hält den Druck aufrecht, indem er beharrlich darauf beteht, dass der Frieden sich durchsetzen wird, wenn das Land sich von den militärischen Aktionen der USA in Afghanistan distanziert.

Am Sonntag gab ein Sprecher der TTP, Shahidullah Shahid, an, die Bewegung sei bereit für „aufrichtige und ernsthafte Gespräche.“ Er wiederholte jedoch auch Bedingungen für Gespräche, die die Regierung unmöglich aufnehmen könnte, einschließlich der Beebdigung der Drohnenangriffe durch die USA und einen Rückzug aller Soldaten aus den Stammesregionen.

Seine Aussagen folgten nur Stunden nach dem Angriff in Bannu, der eine Armee, die bereits wegen der sturen Weigerung der Regierung vor einem umfassenden Durchgreifen gegen den Terror ensetzt ist, zur Weißglut treiben muss.

Die Armee will schon lange eine größere Operation im Norden Waziristans ausführen, einem Stammesgebiet an der Grenze zu Afghanistan, das zum großen Teil von al-Qaida befreundeten, bewaffneten Gruppierungen kontolliert wird. Aber Sharif und Khan bestehen darauf, dass man es zunächst mit Gesprächen versuchen muss.

Shaukat Qadir, ein pensionierter pakistanischer Armeeoffizier, sagte, die Geduld des Militärs sei nicht unendlich.

„Dass 20 Soldaten auf einen Streich getötet werden, ist auch für sie schwer zu verdauen.“ sagte er. „Irgendwann wird jemand sagen, genug ist genug.“

Quelle:

http://www.theguardian.com/world/2014/jan/20/taliban-groups-attacks-pakistan-afghanistan

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

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