Sechs pakistanische Polizeibeamte werden bei der Sicherung eines spanischen Radfahrers erschossen

Abenteurer Javier Colorado wird wegen Schussverletzung behandelt, nach dem Versuch durch eine der gefährlichsten Regionen Pakistans zu radeln

 Jon Boone in Lahore und Ashifa Kassam in Madrid

The Guardian

22. Januar 2014

Sechs Polizeibeamte in Pakistan sind getötet worden, während sie die versuchte Entführung eines spanischen Abenteurers abwehrten, der versuchte durch einen der gefährlichsten Teile des Landes zu fahren.

Javier Colorado, eine 27 Jahre alte Abenteuernatur auf einer Tour um die ganze Welt, reiste mit einer paramilitärisch bewaffneten Polizeigarde Richtung Quetta, der Provinzhauptstadt der von Aufruhr geplagten Provinzhauptstadt von Belutschistan.

Lokale Vertreter sagten, sechs Mitglieder der Levies – wie man die Polizeikräfte der Stämme nennt – sind bei einem Schusswechsel getötet worden, während fünf weitere verletzt wurden.

„Bewaffnete Männer eröffneten willkürlich das Feuer und wollten den Ausländer kidnappen.“ sagte ein Levie-Vertreter vor Ort.

Colorado wurde auch mit einer Kugelverletzung ins Krankenhaus gebracht, gab die Polizei an. Das spanische Außenministerium sagte, er sei noch am Mittwoch entlassen worden.

Ihm sei eine Polizeibewachung zugeteilt worden, als er am Dienstag vom Iran nach Belutschistan kam, einer von Pakistans brisantesten Provinzen – ein Angriffsherd durch separatistische Rebellen und mit die schlimmste religiös motivierte Gewalt in Pakistan, sowie Heimat vieler Talibankämpfer, die es als Basis für Angriffe im benachbarten Afghanistan benutzen.

Ein ausländischer Tourist wäre von hohem Wert für alle diese Gruppen, aber auch für Banditen, die nur auf ein hohes Lösegeld aus wären.

Pakistaner reagierten erstaunt, dass ein Ausländer durch die Gegend reise, nicht zuletzt weil weil der Entführungsversuch in Mastung stattfand, dem selben Distrikt, in dem am Tag zuvor ein Bombenangriff auf einen Bus voller schiitischer Pilger aus dem Iran 24 Menschen tötete.

Der Vorfall hatte Colorado davon abgehalten am Dienstag nach Quetta weiter zu fahren.

Eine Nachricht auf Colorados Facebook-Seite, die von Verwandten gepostet wurde besagte, seine Familie „würde gerne ihren Dank für die Aufmerksamkeit aussprechen, mit der das spanische Konsulat in Pakistan die Sache verfolge.“

Indessen sprach man auch die Empfehlung aus, den Rest von Pakistan links liegen zu lassen.

„Wir erhielten einen Anruf von der Botschaft, dass Javier gesund und unverletzt ist. Heute wird er nach Lahore fliegen, an der indischen Grenze.“ besagte die Nachricht. „Seine Absicht ist es, seine Reise fortzusetzen.“

Sein Versuch mit dem Fahrrad um die Welt zu fahren begann am 1. Oktober, als er Madrid zu einer Reise verließ, die ihn nach Osten durch Europa, die Türkei und den Iran führte.

Ein Steckbrief von Colorado in einem spanischen Fahrradmagazin bezeichnet ihn als jemanden, der es liebt „seine Ängste zu überwinden und die Grenzen sener Fähigkeiten zu testen.“

Im März 2013 wurden zwei tschechische Reisende entführt, als ei durch die Provinz reisten. Sie werden weiterhin vermisst, tauchten aber im Oktober in einem Video auf, in dem sie um ihre Freiheit flehten.

Anderswo wurde am Mittwoch von drei Deutschen berichtet, die unter den Toten kapitaler Luftangriffe im Norden Waziristans gewesen sein sollen.

Das pakistanische Militär sagte, bei den Angriffen die als Vergeltung für die Morde an 20 Soldaten bei einem Bombenangriff mit einem Lastwagen am Sonntag angeordnet wurden, seien 40 Kämpfer, einschließlich dreier Deutscher und einer großen Zahl von Usbeken getötet worden.

Der militärische Angriff auf bewaffnete Posten in der unruhigen Gegend an der Grenze zu Aghanistan wird als sehr wichtig betrachtet.

Die Armee hat es gereizt, die Operationen in dem Bereich zu intensivieren, sie ist aber von der Regierung gebremst worden, die darauf hofft eine friedliche Beendigung des blutigen Konflikts bewaffneter Gruppen auszuhandeln, der im vergangenen Jahr fast 2500 Leben forderte.

Im Nordwesten wurden ebenso sechs Polizeibeamte und ein Junge von einer Bombe getötet, die in einem abgestellten Motorrad im Distrikt Charsadda versteckt war. Die Beamten waren auf dem Weg um medizinisches Personal zu schützen, das versuchte Kinder gegen Polio zu impfen.

Pakistans zögerliche Versuche Polio auszumerzen, haben zu einer Flut von tödlichen Angriffen auf die Impfärzte geführt, was einige vom medizinischen Personal veranlasste zu streiken.

Quelle: http://www.theguardian.com/world/2014/jan/22/guards-spanish-cyclist-shot-dead-pakistan-baluchistan

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

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