Russlands amerikanischer Kriegsheld

thedailybeast.com

WORLD NEWS 14.03.2014

von Ben Jacobs

John Paul Jones, der „Vater der amerikanischen Navy“, führte die Besatzer von Katharina der Großen im 18. Jahrhundert an, bevor er durch einen Skandal aus dem Land gejagt wurde.

Russland eroberte die Krim zum ersten Mal und führte einen Krieg, der internationale Aufmerksamkeit erregen sollte, und es verließ sich, teilweise, auf einen amerikanischen Helden.

1788 bekämpfte John Paul Jones, „der Vater der amerikanischen Navy“, der Kapitän auf der USS Bonhomme Richard bei ihrem famosen Sieg über die HMS Serapi bei Flamborough Head war, das Ottomanische Reich im Auftrag Katharinas der Großen – als Konteradmiral Pavel Ivanovich Jones – und half Russland die Kontrolle über die Krim zu behalten.

Jones, der in Schottland geboren wurde und erst zwei Jahre vor der Revolution nach Amerika emigrierte, hatte in den 1780-ern kein Kommando, zu einer Zeit, in der die Amerikaner noch keine Marine besaßen (das letzte Schiff der Marine des Kontinents war 1785 verkauft worden). Also ging er nach Europa um nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, seine Laufbahn zur See fortzusetzen und Admiral zu werden, was er sich schon lange wünschte (aufgrund der monarchistischen Untertöne der Rangs hatten die USA bis zum Bürgerkrieg keinen einzigen Admiral). Und in Russland wurde er fündig.

Russland hatte erst vor ein paar Jahren die Krim erobert und gemeindete die Halbinsel nur neun Jahre nachdem es sie zum Marionettenstaat gemacht hatte, der unabhängig vom Ottomanischen Reich war, 1774 in das Zaristische Reich ein. Die Türken waren davon und von anderen Entwicklungen nicht begeistert, als Russland seine Expansion in ukrainisches Territorium fortsetzte, das es zuvor besetzt hatte. Schließlich, nachdem Katharina die Große eine große Prozession durch die neu bezwungenen Teile der Ukraine unternommen hatte, waren die Türken ausreichend provoziert worden und versuchten ihre Besitzungen am Ufer des Schwarzen Meeres zurückzugewinnen, die sie verloren hatten. Dadurch benötigte Russland Flottenkommandeure, und Jones erhielt den Rang eines Konteradmirals und wurde losgeschickt, die Türken zu bekämpfen.

Ein Problem: Es gab auch ein paar andere Konteradmirale, die ebenfalls gegen die Türken kämpften, und Jones, ein dünnhäutiger Mann in den besten Jahren, sah sich bald vor ziemlich heftige interne Machtkämpfe gestellt, als das Kommando über die russische Flotte aufgeteilt wurde. (Alle militärischen Anstrengungen der Russen gegen die Ottomanen wurden von Prinz Grigori Potemkin geleitet, bestens bekannt für die „Potemkinschen Dörfer“, der selbst ein erstklassiger Intrigant war.) Das Ergebnis war Chaos, als Jones, der dachte, er habe das das Sagen über die gesamte Schwarzmeerflotte, nur „das Geschwader“ anführte.

Trotz dieses anfänglichen Irrtums lief es für zunächst Jones gut. Er verhalf den Russen zu verschiedenen Siegen und und bewies seinen typischen Heldenmut. Einmal ließ sich Jones auf Erkundungsmission von einem Kosaken-Seemann in einem Boot mitten in der Nacht durch die türkische Flotte rudern. In dessen Verlauf schrieb Jones mit Kreide in riesigen Buchstaben auf einen türkisches Schiff: „Wird verbrannt. Paul Jones.“ Das bewahrheitete sich als Jones‘ Flaggschiff, die Vladimir, das beschmierte Gefährt am kommenden Tag in der Schacht versenkte.

Aber all sein Mut und seine Tapferkeit waren nicht genug. Während Jones‘ Bemühungen die Russen dabei unterstützten, die wichtige Mündung des Flusses Dnepjr zu sichern, wo sich der Fluss ins Schwarze Meer ergießt, hatte er den Neid und die Missgunst seiner Offizierskollegen auf sich gezogen, wurde entlassen und zurück nach St. Petersburg gesandt.

Während er dort vergeblich auf ein weiteres Kommando hoffte, wurde Jones von einem 12-jährigen Mädchen der Vergewaltigung bezichtigt. Während Jones der Vergewaltigung mit Sicherheit nicht schuldig war, hatte er ihre Dienste als Prostituierte in Anspruch genommen. In einem Brief betonte er, ihr nicht die Jungfräulichkeit genommen zu haben, aber, für Geld, „habe sie sich sehr entgegenkommend für alles zur Verfügung gestellt, das ein an ihr Mann begehrt.“ Stattdessen scheint ein Rivale von Jones das Mädchen bestochen zu haben, zu sagen, sie sei vergewaltigt worden um die russische Marine-Karriere des Amerikaners zu beenden. Es funktionierte. Jones verließ Russland in Verruf und kehrte nie zurück. Er starb unter ungeklärten 1972 in Paris und hatte nie wieder Gelegenheit eine Flotte zu befehligen.

Für die Russen lief es allerdings besser. Sie gewannen den Krieg und das Ottomanische Reich erkannte die Krim als Teil von Russland an. (Zusätzlich eroberte Katharina noch einen Brocken, der jetzt zur Ukraine gehört, einschließlich des Bodens, auf dem Odessa gebaut werden sollte.) Mit kurzen Ausnahmen während des Krimkrieges und dem 2. Weltkrieg sollte die gesamte Krim-Halbinsel bis 1991 von Russland beherrscht werden, als die Sowjetunion zerbrach und sie Teil des neuen Landes, der Ukraine, wurde. (Die Halbinsel war 1954 aus verwaltungstechnischen Gründen von Russland an die Ukraine übergeben worden.)

Jones sollte, obwohl er tot war, den Ruhm und die Ehre erfahren, nach denen es ihn zeitlebens so gelüstet hatte. 1905 wurden seine sterblichen Überreste von staatlichen Forschungsreisenden entdeckt (der Friedhof, auf dem er 1792 beerdigt worden war, wurde im folgenden Jahrhundert überbaut) und man transportierte sie zurück in die Vereinigten Staaten, wo sie erneut an der Marineakademie der USA in Annapolis beigesetzt wurden. Dort liegt Jones in einer besonderen Gruft hinter der Marineakadamiekapelle begraben und wird als „Vater der amerikanischen Marine“ verehrt.

Ironischerweise ist heute einer der bemerkenswertesten Absolventen der Marineakademie, Senator John McCain, vielleicht die öffentliche Person, die am härtesten dafür kämpft, die russische Besetzung der Krim rückgängig zu machen, mehr als 200 Jahre nachdem Jones den Russen geholfen hat, ihren Zugriff auf die Halbinsel zu zementieren, als sie sie zum ersten Mal eroberten. Dennoch, McCain, der am Donnerstag auf die Krim reiste, sieht keinen ideologischen Zwiespalt mit dem Entdeckergeist seiner Alma Mater in diesem Kampf. Letzten Endes mag Jones, der sich 1775 aus einer Liebe zur Sache für die Freiheit der kontinentalen Marine anschloss, und etwas, das er ein Gespür für „universelle Philanthropie“ nannte, für Katharina die Große gekämpft haben, aber er würde nie Putin zur Seite stehen.

Quelle: http://www.thedailybeast.com/articles/2014/03/14/russia-s-american-crimea-hero.html

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

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