Pussy Riot unterstützen

Von Stephen Fry

22. August 2012

Liebe Maria, Nadezhda und Ekaterina,

Ich kann mir nicht vorstellen, wie ihr euch im Moment fühlt, da ihr die verblüffend ungerechte und unverhältnismäßige Gefängnisstrafe antretet, die man euch erteilt hat.

Es mag euch freuen zu erfahren, dass so viele Leute auf der Welt an euch denken und tun was sie können, durch Amnesty International oder andere Körperschaften, um zu schauen, ob eure Strafe nicht verringert, umgewandelt oder aufgehoben werden kann.

Es war eine verwirrende Zeit für mich, als ich die Diskussionen auf Twitter und in Bars uns Cafés in London auf und abschwellen sah. Einige denken, das was ihr getan habt war Blasphemie (Blasphemie ist richtig als opferloses Verbrechen geschildert worden, aber wenn es in eurem Land gegen das Gesetz ist, so wie es zu miener Zeit in meinem ist, dann durfte eine Strafe erwartet werden) und einige denken, es war ein geschmackloser, unreifer und trashiger Protest, für den sie keine Sympathie hegen. Ich habe deine abschließende Erwiderung gelesen, Ekaterina (http://boingboing.net/2012/08/11/pussy-riots- abschließende Erwiderung.html und http://nplusonemag.com/pussy-riot-closing- Erwiderungen) und ich weiss, dass ihr trotz Pussy Riots Liebe zum „Punk“ und Gesinnung, die einige Leute abschrecken können, sehr intelligente, gebildete und sprachgewandte Leute seid, genau wusstet, was ihr tatet und gute Gründe dafür hattet. Euer Streit betraf nicht die Religion, oder das Christentum, sondern Putins Vetternwirtschaft, innerhalb der orthodoxen Kirche, vor allem diesem speziellen Gebäude, der Christ-Erlöser-Kathedrale.

Die meisten vernünftigen Leute, ob sie nun Christen sind oder nicht, und sogar wenn sie blind sind und taub für die in den Links oben angeführte Erwiderungen sind, verstehen mit Sicherheit, dass eine lange Vor-Prozess-Dauer im Knast, gefolgt von so einer harten Strafe, die schamlos verkündete, dass sie nicht strikt dem Gesetz folgte, sondern in der Absicht eine „Botschaft zu verbreiten“, nicht in einem Staat stattfindet, der eine gerechte freie Demokratie ist.

Ich schreibe dies als ein schamloser Russlandfreund. Ich finde es hart zu ertragen, dass das Land Tschaikovskys es einer giftigen Mischung kahlrasierter Nationalisten und fundamentalistischer Kleriker erlaubt, Gesetze zu bestimmen, über Homosexualität zum Beispiel. Ein Teil eures Verbrechens bestand darin, euch für Schwulenrechte einzusetzen. Es erstaunt mich, wie die Geschichte Russlands sich zu wiederholen scheint. Pushkin wurde von einem beleidigten Zar in die Verbannung geschickt. Dostojewsky wurde vor ein Erschießungskommando gestellt, nur um in der letzten Minute begnadigt zu werden und auch verbannt zu werden.Und dann standen in der kommunistischen Zeit, wie wir alle wissen, Künstler, Autoren, Intellektuelle und Liberale unter der ständigen Bedrohung der Verbannung, Zwangsarbeit oder sogar Hinrichtung. Jetzt sind wir scheints wieder auf dem Weg in eine ähnliche Lage. Ich sage nicht, und ihr würdet es auch nicht beanspruchen, dass ihr Entsprechungen Pushkins oder Dostojewskys seid, aber das ist auch nicht der Punkt. Ihr kämpft für Redefreiheit, und das beschränkt sich nicht nur auf gigantisch herausragende Riesen der Literatur.

Einige Zyniker (und glaubt mir, mein Land ist voll von ihnen) werden fragen, warum ich nicht an Gefangene im Iran oder China schreibe. Nun, ich habe die leise, vielleicht sinnlose Hoffnung, dass Russland und sein Anführer ein wenig eher zu überzeugen sind. Mir ist bewusst wie sehr er und seine Anhänger es hassen, von westlichen “Liberalen” belehrt zu werden, aber Tatsache ist, ich finde es unmöglich angesichts so monströser Ungerechtigkeit und absurder Unterdrückung zu schweigen. Und das ist der Punkt. Putin hat sich nicht zum Monster gemacht. Er hat sich zum Idioten gemacht. Oft wird gesagt, hätte die Welt früh genug über Hitler gelacht, hätte er nie die Kontrolle über die Macht erlangt. Ich nenne Putin nicht Hitler. Noch nicht. Aber es wird Zeit ihn mit dieser Haltung auszulachen, und für euch aus der Gefangenschaft.

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Stephen

Dieser Brief wurde zunächst an Amnesty International für die Veröffentlichung gesandt.

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

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