Professor für kreatives Schreiben Hanif Kureishi sagt, derartige Kurse sind „Zeitverschwendung“

Der Autor von „Der Buddha (aus) der Vorstadt“, der das Fach an der Kingston University1 lehrt, setzte hinzu, dass viele seiner Studenten „Sätze schreiben“ können, aber keine Geschichten erzählen

Von Alison Flood

theguardian.com, Dienstag 4. März 2014

Kreative Schreibkurse sind, dem Schriftsteller – und Lehrer für kreatives Schreiben – Hanif Kureishi zufolge, „Zeitverschwendung“, er sagt „viele meiner Studenten können einfach keine Geschichte erzählen.“

Kureishi, dessen erster Roman Der Buddha (aus) der Vorstadt2 den ersten Preis des Whitbread-Unternehmens3 gewann, sprach am Sonntag auf dem Unabhängigen Bath Festival. Er wurde im vergangenen Herbst zum Professor ernannt, als er sagte, es sei „wirklich eine spannende Zeit, als Teil des Fachbereichs Kreatives Schreiben,“ aber am Sonntag erzählte Kureishi dem Publikum, wenn es um seine Studenten geht, „sind es vielleicht 99,9% sind, die kein Talent besitzen, und das kleine bisschen Rest ist das Talent.“

„Viele meiner Studenten können einfach keine Geschichte erzählen. Sie können Sätze schreiben, aber sie wissen nicht wie man eine Geschichte so gestaltet, dass man von dort den ganzen Weg bis zum Ende geht, ohne dass die Leute inzwischen vor Langeweile sterben. Das ist schwierig und großes Können. Kann man das lehren? Ich glaube nicht.“ sagte Kureishi, laut dem Independent4, der das Festival sponsert.

„Viele von ihnen (den Studenten) verstehen es tatsächlich nicht.“ sagt Kureishi. „Es ist die Geschichte, die dir förmlich hilft. Sie plagen sich mit dem Schreiben und der Prosa und du denkst: „Sch..ss auf die Prosa, niemand wird wird dein Buch wegen dem Schreibstil lesen, was sie wollen ist zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht.“ Er arbeitet mit seinen Studenten, sagt Kureishi, „sehr lange.“ „Nach so ungefähr drei Jahren fangen sie an aufzutauen. Und nach fünf Jahren begreifen sie wirklich was vom Schreiben. Es ist eine sehr langsame Sache. Menschen gehen ein Wochenende zu einem Schreibkurs und du denkst, „Ein Wochenende?“

Kureishi sagte, laut dem Independent, er würde selbst kein Geld bezahlen um einen MA in kreativem Schreiben zu machen. „Nein. So würde ich es nicht machen, das wäre Wahnsinn. Ich würde einen Lehrer suchen, den ich als gut für mich einschätzen würde.“ erzählte er seinem Publikum. „Es geht nicht um Kurse. Die ganze Sache mit den Kursen ist die, dass es zu viele Lehrer dafür gibt, und sie bringen dir Stoff bei, der für dich Zeitverschwendung ist.“

Mit der großen Palette an Schreibkursen, die in GB angeboten werden – einschließlich der des Guardian – ist Kureishi nicht der einzige, der so denkt. Die Schriftstellerin und ehemalige Lehrerin für Kreatives Schreiben, Lucy Ellmann, die Kureishi dahingehend widerspricht, dass Stil unwichtig sei, beschrieb, dessen ungeachtet, Kreatives Schreiben als „ den größten Schwindel der akademischen Welt“ und verwies auf den Kommentar des Dichters August Kleinzahler im Guardian, „Es ist schrecklich, junge Leute zu belügen. Und darum geht es.“

„Das ganze System ist aufgebaut um Autoren zum Schweigen zu bringen und Studenten zu düpieren. Es liefert den Autoren noch nicht einmal einen sicheren Hafen, wie Hanif klargestellt hat, denn die meisten Universitäten kommen von ihrem Weg ab, um Autoren mit Verwaltung, Überarbeitung und anderem Unsinn zu zerrütten. Es wir auch lausig unterrichtet: Ich weiß von Dozenten für Kreatives Schreiben, die noch nicht einmal die Arbeiten der Studenten lesen. Das ist kriminell.“ sagte Ellmann. „Aber das Ziel von Unternehmen – denn das sind Universitäten heute – besteht natürlich darin, Originalität und Widersprüche zu zerschlagen. Universitäten haben sich von Kultur bewahrenden Institutionen zu Kultur zerstörenden Einrichtungen gewandelt. Und Leute stehen Schlange um diesen kultur-vernichtenden Institutionen 9000£ im Jahr zu bezahlen, um sicher zu gehen, dass jeglicher Gedanke an Literatur gelöscht wird, bevor er im Gehirn ankommt.“

Wenn du schreiben möchtest, sagte Ellmann, „solltest du so viel Literatur lesen, wie du in die Hände bekommen kannst, Jahr für Jahr, besser das als dein halbes Universitätsleben Zeug schreiben, das du nicht zu schreiben bereit bist.“

Und wenn du das einmal getan hast, „brauchst und verdienst du individuelle Hilfe, wie Hanif sagt,“ sagte sie. „Ich denke, es ist wirklich schade, dass tausende Menschen dieses Fach studieren – und von unqualifizierten Tutoren unterrichtet werden, von denen einige noch nie einen Roman veröffentlicht haben. Und ich kann es nicht ausstehen, wenn Autoren erklären, sie hätten einen Abschluss in Kreativem Schreiben. Was also? Die gibt’s wie Sand am Meer.“

Aber Jeanette Winterson, die an der Universität Manchester lehrt, ist nicht mit Kureishi einverstanden. Sie sagte dem Guardian: „Meine Arbeit besteht nicht darin, den Studenten auf Magister beizubringen wie man schreibt; meine Arbeit besteht darin, die Sprache in ihren Gesichtern zum explodieren zu bringen. Ihnen zu zeigen, dass Sprache beides ist, Bombe und Bombenentsorgung – ein notwendiges Zertrümmern von Worthülse und Anmaßung, und eine mächtige Entschärfung der seelen-zerstörenden Aussagen des modernen Lebens (das alles egal ist, nichts sich verändert, Geld alles ist, usw.). Schreiben ist genauso gut wie Handeln. Meine Arbeit ist es, ihre Beziehung zur Sprache zu verändern. Der Rest liegt bei ihnen.

Rachel Cusk und Schriftsteller Matt Haig, der in diesem Jahr der Jerwood-Stiftung5 für neu entdeckte Fiktion vorsitzt, haben den Vorgang in der Vergangenheit ebenfalls verteidigt. Als Reaktion auf Kureishis Bemerkungen sagte Haig:

„Lektionen im Kreativen Schreiben können sehr nützlich sein, genau wie Musiklektionen nützlich sein können. Zu sagen, wie Hanif Kureishi es tat, dass 99,9% der Studenten talentfrei sind, ist hart und falsch. Ich glaube, dass bestimmte Autoren gerne glauben, dass sie auf die Welt kamen mit speziellen, nicht erlernbaren Kräften, weil es gut ist für das Ego.“ sagte Haig. „Natürlich ist es immer wichtig, deine Grenzen zu kennen. Ich könnte zum Beispiel 7000 Gitarrenstunden bekommen, aber ich wäre nicht Hendrix, auch wenn ich viel besser wäre als ich es jetzt bin. Wie alle Formen der Kunst ist Schreiben teilweise instinktiv und teilweise Handwerk. Der handwerkliche Teil kann gelehrt werden und das kann für viele Autoren der entscheidende Unterschied sein.“

Sein eigener erster Roman wurde von Winterson gelesen, sagte Haig, „und sie beriet mich, was heute immer noch hilfreich ist. Sie riet mir beispielsweise „offenbarender Moment“ zu ändern in „Moment der Offenbarung“, was ein unendlich weiser Ratschlag war.“

„Zu sagen, dass Kurse für Kreatives Schreiben nutzlos sind, ist fast so unsinnig wie zu sagen, alle Herausgeber sind nutzlos. Autoren, auf allen Niveaus, können von anderen lehrreichen Stimmen profitieren.“ sagte er. „Dennoch, ich glaube aus einigen Leuten werden nie Autoren. Genau wie manche Leute nie Architekten werden, oder Web-Designer. Aber gute Schreibkurse werden dir bei der Arbeit helfen, ob du ein Autor bis oder nicht.“

Ein Sprecher der Kingston Universität sagte dem Independent, dass Kureishis Kurse „extrem fordernd und nützlich“ seien, und dass der Buch-,  Bühnen- und Fernsehautor „für diese provokanten, inspirierenden Beiträge, die er in unterstützenden Kursen, Tutorien und Promotionsbetreuungen liefert, von den Studenten gepriesen wird und sie von seinem Rat profitieren.“

Quelle: http://www.theguardian.com/books/2014/mar/04/creative-writing-courses-waste-of-time-hanif-kureishi

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

 

1http://www.kingston.ac.uk

2The Buddha of suburbia

3http://www.whitbread.co.uk

4http://www.independent.co.uk

5http://www.fictionuncovered.co.uk/2014/03/2014-judging-panel-announced/

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