Pillycock

Auf der Suche nach einem adäquaten deutschen Namen für Pillycock in King Lear, einem Dämon, in den sich das ursprüngliche Weib aus dem Gedicht „There was an old women who lived under a hill“ in Gammer Gurton’s Garland (oder der Kinderreim-Parnass1) verwandelt hat, stieß ich auf eine Liste von Seiten, die sich mit derlei Namen beschäftigen und Auskunft geben.

Der erste Listeneintrag bei Nudel (ykwim) verweist auf das Geisterportal – Dämonennamen und Siegel (dazwischen Grafischer Mist) Dämonenbeschwörung. Mit Letzterem setzt sich nach meiner Kenntnis Papst Franziskus gerade auseinander. Die Seite, deren grafische Aufmachung daherkommt wie optische Körperverlezung, ist eine Werbeplattform für Aleister Crowley. Sonstiges Material ist altbackener Mist.

Es folgt Gute-Frage.de mit Demon1234567891, der wissen möchte, welche Namen er für ein Buch über Dämonen verwenden kann. In der ersten Antwort erhält er eine Liste völlig konfus vermischter Namen von Abbadon (von hebräisch abad, „Untergang, Vertilgung, Abgrund“) bis …

man feststellt, dass hier jemand die Wikipedialiste des Eintrags Infernal names kopiert hat. Dragdrop, das wäre ein Name, der in dieser Liste fehlt.

Es folgt eine Dämonenliste in blutrot getünchtem Hintergrund. Eine virtuelle Geisterbahn in den toten Armen des Wöltweitweb.

Doch dann, derzeit auf Platz vier der Nudelcharts für anonyme Namen göttlichen Einflusses2, gerät der Suchende zu einem Dokument des Autoren Hoffmann-Krayer, E., aus dem Schweizerischen Archiv für Volkskunde, Band 32 aus dem Jahr 1933. Und dort findet sich die Information, dass die Etymologie des Begriffs Bettzaierli im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens 1, 1200 (ich nehme an, das ist eine Seitenangabe), von Ranke3 noch offen gelassen wurde, denn er habe mit Recht Fischers Herleitung aus dem Hebräischen b’z’r, „bedrängen“, und Höflers Anlehnung an Zarge abgelehnt.

Die Auflösung des Problems folgt prompt, da der Bettzaierli-Segen auch gegen das Bettnässen gesprochen werde, und auch vom Alp (ergo Dämon) berichtet werde, dass er pisst4 (Querverweis: Laistner, Das Rätsel der Sphinx 2, 233) sei B. vielleicht mit Bettseicherli zu übersetzen.

Und das Bettzaierli saß auf dem Berg. Und dort sitzt es immer noch, und verrichtet sein Werk.

Thorsten Ramin

1 https://archive.org/stream/gammergurtonsgar00ritsiala/gammergurtonsgar00ritsiala_djvu.txt

2 Entlehnt aus dem lateinischen daemon, aus griechisch δαίμων, daímōn: zunächst Bezeichnung für das Wirken eines Gottes, der nicht genannt werden soll oder kann, dann alle Formen göttlichen Handelns, später im Christentum in Richtung auf Teufel abgewandelt und in die Volkssprache übernommen.

3 Das Dokument findet amn unter http://dx.doi.org/10.5169/seals-113034

4 Und nicht nur dass, man erinnere sich an den Tokoloshe (https://twitter.com/ThorstenRamin/status/507668625449570305).