Kerras Meinung – Amerikas Albtraum: Präsident Trump

von Kerra Seay

Interrobang

Klicken Sie hier um mehr von Kerra Seay zu lesen

Published: Monday, March 7th, 2016

Der Präsidentschaftswahlkampf 2016 ist ein Albtraum in Verbindung mit kitschigen realitätsnahen Fernsehauftritten, in denen Donald Trump sowohl als der Held und ebenso als der Schurke auftritt.

Wenn du die letzten paar Monate nicht als Eremit gelebt hast, dann hast du vielleicht bemerkt, dass es einem fremdenfeindlichen Oompa Loompa1 irgendwie gelungen ist an der Spitze der Umfragen zur Nominierung des Anführers der GOP zu verweilen, selbst nachdem er Kommentare salbaderte, die ihn sofort hätten als untauglich erscheinen lassen müssen.

Aber dieses mit einem Schamhaartoupet verzierte Gelumpe geht einfach nicht.

Obgleich Politprofis beider Seiten der amerikanischen Politskala sich in einem seltenen Moment parteiübergreifenden Zusammenwirkens zusammenschlossen gegen die Möglichkeit, dass ein rassistischer, ausgekotzter Affenarsch ihr Land leitet, hat niemand dem Donald mehr Schaden zugefügt als John Oliver in seiner HBO-Sendung Last Week Tonight2. Oliver nahm sorgfältig Trumps (oder sollte ich sagen Trommpels?) komplette Existenz auseinander, von seinen unbegründeten Aussagen über wörtlich alles bis zu seinem alles andere als herausragenden Geschäftsbüchern.

Und doch hielt ihn das nicht davon ab, seine sauberen Hände dazu einzusetzen, seinen Mitwettbewerbern die Leine aus der Hand zu nehmen.

Trump gewann sieben der 11 Vorwahlen am Superdienstag, das verschaffte ihm einen sicheren Vorsprung vor den Favoriten Ted Cruz und Marco Rubio. Selbst wenn Trump die republikanische Nominierung gewinnt, gibt es keine Garantie, dass er die Wahlen gewinnt; er müsste sich immer noch gegen Hillary Clinton oder Sanders durchsetzen, deren Wettlauf das Publikum fesselte, würde Trump nicht das Rampenlicht stehlen.

Aber in diesem Moment sieht es so aus als würde der Traum dieses argen Haarknäuels Früchte tragen: Donald Trump wird sehr wahrscheinlich der republikanische Kandidat bei den US-Wahlen 2016.

Kanadier mögen sich angesichts der Denkart ihres amerikanischen Gegenübers am Kopf kratzen: „Wie konnte das nur passieren? Sehen die Amerikaner nicht, dass es eine ganz schlechte Idee ist, ihn zu wählen?“

Aber Kanada besitzt nun eine eigene Ausgabe des Trumpeteers. Kevin O’Leary, einer der Unternehmer der Drachenhöhle3, verkündete seine Absicht, als Anführer der Konservativen Partei anzutreten.

Auch wenn er selbst erfolgreich ist, sollte seine begrenzte – oder nicht existente – politische Erfahrung ihn komplett von der Kandidatur ausschließen. Ich erkenne den Bedarf nach Vielfältigkeit im politischen Leben und nach Politikern verschiedener Herkunft in der Regierung, aber jemanden das Land leiten zu lassen, der über keinerlei politische Erfahrung verfügt, klingt für mich nach einer schlechten Idee.

Aber kann man ihm vorwerfen, dass er denkt er könne es? Niemandem dünkte, Trump könne es, aber jetzt schau uns heute an.

Der Pluspunkt, von dem ich mir sicher bin, dass O’Leary ihn nutzen wird, ist Bekanntheit. Reality TV wie The Apprentice (Der Auszubildende) und Dragon’s Den machten Trump und O’Leary zu geläufigen Namen. Das verschafft diesen Kandidaten einen Vorsprung im Wahlprozess, weil die Leute bereits wissen, wer sie sind, und mit ihrer Reality-TV- Erfahrung wissen sie, wie man vor Publikum lautstark gebärdet.

Auch unsere vergangene Wahl hatte eine Prise von realem Drama. Justin Trudeau besaß Bekanntheit dank seines Vaters Namen, und kombiniert man das mit seinem guten Stil, konnte man kaum anders als Harpers Mangel an Ausstrahlung zu übersehen, wenn er während Streitgesprächen neben Trudeau stand.

Wenn Sie sich entscheiden, wem Sie ihre Stimme geben, versuchen Sie sich vorzustellen, jemand anders sagt was sie sagen, der nicht eindrucksvoll ist – ich empfehle Nicolas Cage – und schauen sie, ob sie immer noch mit dem einverstanden sind, was sie von sich geben. Und wenn ja verdienen sie ihre Stimme. Aber wenn es weniger ansprechend klingt wenn es jemand anders sagt, nehmen Sie Abstand und denken Sie erneut darüber nach, warum Sie überhaupt Partei für sie ergreifen.

Erinnern Sie sich an das letzte Mal, als ein attraktiver Anführer ein Land hoffnungsloser Menschen vereinte indem er eine Minderheit zugunsten der Mehrheit aussonderte, um ihre Wut und ihre Angst auf sie zu richten? Denn ich tue es. Lassen Sie nicht zu, dass sich ihr Land in einen wirklichen Albtraum verwandelt.

Übersetzung: Thorsten Ramin

Quelle: http://fsu.ca/interrobang.php?storyID=12431

1 Aus Charlie und die Schokoladenfabrik von Roald Dahl (Anm. des Übers.)

2 http://www.hbo.com/last-week-tonight-with-john-oliver

3 http://www.bbc.co.uk/programmes/b006vq92