Karzai erhält gemischte Kritiken auf seine Einstellung zum Friedensprozess

TOLO TV News Afghanistan. 27. Juni 2013

Von Shakeela Ahbrimkhil

Ahmed Rashid, der berühmte pakistanische Journalist und Bestseller-Autor mehrer Bücher über außenpolitische Probleme der Region, erklärte in einem exklusiven Interview mit TOLOnews am Donnerstag, wie Präsident Karzai bisher mit seiner Art, den Friedensprozess anzugehen, Ziele erfüllt und verfehlt hat

Rashid brachte nachdrückliche Unterstützung für Präsident Karzais Reaktion auf die Kontroverse um die “Islamischen Emirate” zum Ausdruck, die die Eröffnung des Büros der Taliban in Doha hervorrief.

Mit Bezug auf den Zwischenfall sagte Rashid: “Ich denke Präsident Karzai lag damit genau richtig. Seine Absichten waren absolut gerechtfertigt, denn es gab eine Vereinbarung, die bereits unterschrieben wurde, zwischen den Amerikanern und den Taliban, dass man das Büro nicht Islamische Emirate nennen würde und es keine Flagge gebe.“

Trotzdem, Rashids Schwerpunkt lag in der Kritik an der Unfähigkeit des afghanischen Präsidenten, einen schlüssigen und einvernehmlichen Ansatz für die Verhandlungen zu entwickeln.

“Er war weder in der Lage in seinen eigenen Reihen für Einigkeit zu sorgen, noch in seinem Kabinett, in seinem Präsidialamt, in der Öffentlichkeit, in den politischen Parteien die gesprächsbereit sind, und bzgl. der Bedingungen der Gespräche.“ sagte der Journalist aus Pakistan.

Faizullah Jalal, ein politischer Analyst von der Universität Kabul, wiederholte Rashids Kritik an Präsident Karzais bisheriger Arbeit beim Umgang mit dem Friedensprozess. „Tatsache ist, dass Präsident Karzai, sein Vize-Präsident und sein ganzes Team ein großer Teil der Probleme Afghanistans sind, und solange sie im Amt sind, werden Afghanistans Probleme nicht gelöst.“ sagte Jalal.

Laut Rashid wurden die Unbündigkeit und Schwächen von Präsident Karzais Herangehen an den Prozess durch eine Reihe von widersprüchlichen Meinungen, die in seinen eigenen Reihen zirkulierten, verursacht, sowie fehlende Zusammenarbeit mit den diversen Interessengruppen in Afghanistan.

Die Einigung, von der er überzeugt ist, zu diskutieren, müsse das Fundament eines nützlichen Verhandlungsprozesses sein, sagte Rashid. „Man findet keine Einigung indem man vier oder fünf der alten Mudschaheddin-Anführer ins Präsidialamt einlädt, wie es Herr Karzai tut.“

Rashid stellte die Frage: “Was ist mit den jungen Leuten, den Frauen, den Geschäftsleuten, den Ausbildern, die eine wichtige Rolle in der Zukunft Afghanistans spielen?“ Aber, wie die USA im Rahmen der Geschehnisse, die die Eröffnung des Büros in Doha zur Folge hatte, klar gemacht haben, erwartet die internationale Gemeinschaft auch, an der Verhandlungsführung beteiligt zu werden.

„Sie (die Verhandlungen) werden auswärtige Mächte miteinbeziehen, Herr Karzai kann nicht erwarten dass nur unter Afghanen verhandelt wird. Sie werden die USA, NATO-Länder, Pakistan und Indien einschließen. Die Sache ist die, dass Pakistan ein internationales Problem ist. Frieden in Afghanistan kann nur durch ein internationales Abkommen herbeigeführt werden.“ sagte Rashid.

Zum Thema Pakistan versuchte Rashid Verdächtigungen gegenüber den Absichten seines Landes zu zerstreuen, das schon lange als Unterstützer der Taliban gilt, also diejenigen, die den Friedensprozess behindern. „Eine Taliban-Regierung in Kabul liegt nicht in Pakistans Interesse. Es ist nicht Pakistans Interesse den Prozess zu unterbrechen.“ behauptete Rashid.

Er führte die steigende Taliban-gesteuerte Gewalt in seinem Land als Grund für eine Wegverlagerung der Unterstützung von Rebellengruppen innerhalb der pakistanischen Regierung und der Allgemeinheit an. Dennoch, bedenkt man Pakistans neuesten Rekord bezüglich seiner Afghanistanpolitik, ist nicht jeder mit Rashids Beurteilung einverstanden.

Tahir Hashimi, ein Professor der Politikwissenschaften an der Universität von Kabul, behauptete, „Der Hauptgrund für Afghanistans Problem ist Pakistan und seine Geheimdienste. Pakistan war in den vergangenen zehn Jahren nicht ehrlich mit seinen Versprechen an Afghanistan.“

Vorausschauend erscheint es klar, dass sowohl heimische wie ausländische Interessen substantielle Rollen bei der Gestaltung des Friedensprozesses spielen werden. Was weniger klar ist, wie genau Präsident Karzai und seine Regierung planen diese Interessen in die Formulierung einer Strategie einfließen zu lassen, die Eingang in die Verhandlungen findet, und sie wirklich anzuwenden, wenn die Gespräche tatsächlich beginnen.

Quelle: http://www.ahmedrashid.com/publications/afganistan/articles/

Übersetzung: Thorsten Ramin 

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