Iran gibt sich zuversichtlich mit feindlich gesinnten USA fertig zu werden

Ahmed Rashid

Financial Times, The Exchange 9. November 2017

Ein glühender Nationalismus erfasst einen zunehmend zuversichtlichen Iran, während sein Paramilitär weitere Erfolge in der Arabischen Welt und der weiteren Region verbucht. Gleichzeitig wird das Land zügig modernisiert und zieht ausländische Investitionen an, trotz Donald Trumps Bemühungen seine Ziele einzudämmen.

Teherans Autobahnen, Brücken, Überführungen und Gehsteige sind mit der Flagge geschmückt und überall hängen enorme schwarz-weiße Plakate an den Brüstungen. Darauf die Gesichter von Märtyrern, die der Öffentlichkeit permanent vorführen, dass die Islamische Republik vielfach in Kriege der Region verwickelt ist, da sie „eingeladen wurde, ihren Verbündeten zu helfen den Terrorismus zu bekämpfen,“ einem führenden iranischen Vertreter zufolge, mit dem ich gesprochen habe.

Für die Arabischen Länder am Golf und die USA ist der Iran eine Bedrohung, da er versucht einen schiitisch dominierten Halbmond vom Libanon über Syrien bis zu Irak nach Jemen und Afghanistan zu erschaffen, und eine eindeutige Gefahr für all die Nationen, die im Weg sind. Die Auffassung Teherans ist eine andere. Iran und seine arabischen Verbündeten (Syrien, Irak, Kuwait, Katar und Oman) glauben, sie handeln aus Selbstverteidigung gegen die stetig aggressiven USA und Saudi-Arabien. Einige dieser Länder wollen in diesem alten Konflikt zwischen Persern und Arabern auch keine Partei ergreifen.

Die Gesichter der der älteren Männer auf den Plakaten sind die Dutzend ʻgemartertenʼ älterer iranischen Offiziere, die sowohl zur regulären Armee gehören und dem Eliteexpeditionskorps al-Quds, Teil der Revolutionsgarden, die große Teile der Außenpolitik Irans steuern. Diese Offiziere sind Ausbilder, Strategen und Logistiker der vom Iran unterstützten schiitischen Milizen, die im Irak und Syrien aktiv sind.

Die jüngeren Gesichter gehören ʻgemartertenʼ Soldaten, die meisten sind jedoch keine Iraner. Anders als bei Russen und Amerikanern sind wenige von Irans eigenen Soldaten auf dem Schlachtfeld. Stattdessen sind die Märtyrer meist schiitische Muslime aus Afghanistan, Pakistan, Libanon und anderswo, rekrutiert um für Teheran zu kämpfen, im Austausch für Belohnungen, mitunter dauerhafte Aufenthaltsvisa für den Iran.

Ein älterer iranischer Vertreter gestand gegenüber der Financial Times ein, dass eine Schätzung der NATO, die der FT überlassen wurde, 20 000 afghanische und pakistanische Schiiten in den vergangenen zwei Jahren angeworben wurden, „richtig sei.“ Dennoch bestehen iranische Vertreter darauf, dass sie keine Rekruten sondern „Freiwillige“ seien, im Kampf gegen den Islamischen Staat IS.

In Bagdad verweigerte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi in der letzten Oktoberwoche das Ansinnen des amerikanischen Außenministers, Rex Tillerson, etwa 60 000 im Iran ausgebildete schiitische Milizsoldaten einzusetzen, die Bagdad halfen den Islamischen Staat zu besiegen. Die Milizen sind „Teil der irakischen Institutionen“, sagte Herr al-Abadi verteidigend. Die selben Milizen werden nun eingesetzt um das kurdische Gesuch nach Unabhängigkeit zu erdrücken.

Warum schließt sich Amerika nicht unseren Milizen im Kampf gegen Terrorismus an, wenn die USA sagen, sie wollen den IS eliminieren?“ sagte ein anderer iranischer Vertreter, der nicht genannt werden will.

Genauso hat sich Syriens Präsident Bashar al-Assad geweigert Irans Unterstützung seiner Armee zu vermindern und Iran gebeten, die Zahlen zu erhöhen während Assads Truppen Erfolge gegen den IS verbuchen. Wenn der Kommandeur al-Quds, General Qasem Soleimani Syrien in der den Irak besucht, wird er behandelt wie ein Held und Staatsoberhaupt. Nichts ist in der Region mehr umstritten als die Rolle dieser Milizen, die die USA und ihre Verbündeten am Arabischen Golf, einschließlich Saudi-Arabien, gegen den Iran gegeneinander ausspielen. Präsident Donald Trumps Weigerung vom 13. Oktober, zu versichern, dass der Iran dem Atomabkommen nachkommt, hat die Kluft nur weiter vertieft.

Iranische Vertreter sprechen von einer „Iran-Phobie“, die sowohl die USA wie Saudi-Arabien befallen hat. Verschiedene Verschwörungstheorien häufen sich in Teheran: Trump will den Regierungswechsel im Iran; die USA unterstützen die kurdische Unabhängigkeit um den Einfluss Irans im Irak und Syrien zu unterwandern; die USA wollen den Krieg fortsetzen und heizt den religiösen Krieg an indem sie Sunniten ermutigen Schiiten zu töten; und die USA wollen eine dauerhafte militärische Präsenz in Afghanistan um den Iran zu bedrohen.

Iraner aus allen sozialen Schichten sind stolz darauf das einzige muslimische Land zu sein, das den palästinensischen Kampf um ein Heimatland außenpolitisch prioritär behandelt. Um diese militarisierte Außenpolitik beizubehalten mussten die Revolutionsgarden jedoch daheim einen hohen Preis bezahlen. Nicht alle Iraner wollen den permanenten Kriegszustand oder leben für den schiitischen Expansionismus. Eine starke neue Mittelklasse ist entstanden und junge Menschen, genau wie anderswo, kleben an ihren Mobiltelefonen und Spielen. Aber Kritik an der wirtschaftlichen und Auslandspolitik tabu in den streng kontrollierten Medien. Es ist wenig Spielraum für eine alternativen kritischen Bericht.

Der moderate Präsident Hassan Rohani versucht die riesige wirtschaftliche Macht der Garden an die Kandare zu nehmen – als einen ersten Schritt ihren Zugriff auf die Außenpolitik einzudämmen. Aber wie ein westlicher Diplomat im Iran mir erzählte: „Trumps Ablehnung des Nuklearabkommens hat die Garden nur gestärkt.“

Trotz dieser internen Spannungen sind die Iraner zuversichtlich, dass Herr Trump die Bedingungen des Nuklearabkommens nicht verändern kann, weil die EU, Russland und China weiterhin auf Irans Seite stehen. Noch kann Trump den Fluss ausländischer Investitionen aufhalten. Teherans Hotels sind sichtbar vollgepackt mit ausländischen Geschäftsleuten jeder Nation.

Direkt nach Irans Revolution von 1979 exportierte Teheran sie durch Gewalt, die darauf abzielte autoritäre arabische Regime zu stürzen. Diese Strategie versagte. In der gelähmten Arabischen Welt von heute spielen der Iran und die Garden ein raffinierteres Spiel, sie unterstützen Anliegen der Schiiten während sie versuchen den Irak und Syrien zu stärken.

Bislang ist eine derart hoch militärische Strategie nicht dauerhaft auf lange Sicht, weil sie mehr Feinde als Freunde in der Region erzeugt und nicht gut zu einer moderaten iranischen Regierung passt, die beliebt ist weil sie versucht das wirtschaftliche Los der Bevölkerung zu verbessern.

Quelle: http://www.ahmedrashid.com/publications/middle-east/articles/

Übersetzung: Thorsten Ramin