Indien hat gerade seine erste Waffe für Frauen hergestellt. Ist das eine Lösung oder ein Problem?

Indien scheint es den USA nachzumachen, indem es Waffen für Frauen produziert und vermarktet, das wird Frauen aber kaum sicherer machen.


Kaavya Asoka

pinkgun

Der Revolver Pink Lady von Charter Arms.

„Nirbheek“ ist klein, leicht und passt gerade so „in eine Frauentasche.“ Benannt nach dem 23-jährigen Opfer des viel beachteten Falls von Gruppenvergewaltigung in Delhi im Dezember 2012, wird der 500g Ultraleichtrevolver vom Kaliber 32. vom staatlichen Indischen Erlass-Betrieb hergestellt und als letzte Lösung für das verbreitete Problem sexueller Gewalt und Notzucht auf dem Subkontinent vermarktet.

Man fragt sich ob Indien von der Feuerwaffenindustrie der USA gelernt hat, die lange darin brilliert hat, einen Nischenmarkt für weibliche Waffenbesitzer zu erschaffen, indem man kleine, leichte – und oft pinke – Waffen für Frauen produzierte. Mit Namen wie Chic Lady, Pink Lady, Fliederfarbene Lady und Pink Lady (bald bei in Connecticut ansässigen Charter Arms), haben amerikanische Hersteller wie Taurus, Smith and Wesson und Remington die Kunst des „Klein-und-Fein-Machens (also pink)“ mit einer Staffel rosaner Revolver, Faustfeuerwaffen und Gewehren, ausschließlich für Frauen, perfektioniert.

Das Pew Forschungszentrum berichtete im Mai 2013, dass 41% der Amerikaner zuhause eine Waffe haben. Während Männer mit einer Wahrscheinlichkeit von 3:1 gegenüber Frauen eine Waffe besitzen, haben 14% der Frauen eine eigene. Die wachsende Zahl der weiblichen Waffenbesitzerinnen in den USA erklären vielleicht, warum die Feuerwaffen-Industrie scharf darauf war, spezielle Produkte für Frauen zu produzieren, wie pinke Waffen und eine Reihe offenbar überflüssiger femininer Zubehörteile, wie BH-Holster. Schießstände und -Farmen haben sich auch als Spaßadressen für Mädchenabende eine neue Etikette verliehen. Eine Farm in Texas ging sogar so weit, ein originelles Paket für Frauen, die auf Waffen stehen, anzubieten: „Straffen und Waffen“ ist ein Wochenendausflug, der eine praktische Einführung in Handfeuerwaffen“ bietet, mit dabei Botox-Behandlungen und andere kosmetische und Freizeitangebote für Frauen zum genießen, während sie mit ihren Freundinnen am Cocktail schlürfen.

Im Vergleich sieht Indiens Nirbheed relativ schwach aus, aber sein Zugeständnis an Frauen, neben seiner Größe und seinem Gewicht, ist seine Aufmachung in einem kastanienbraunen Schmuckkästchen. Einem BBC-Interview mit dem Generaldirektor des Indischen Erlass-Betriebs zufolge, „mögen Frauen ihren Schmuck.“

Wie Feministinnen ironisch bemerkten, muss man sich Mühe geben, und zumindest ein gewöhnliches Ding pink machen und ihm einen femininen Spitznamen geben, wie „Lady“, bevor du ihn Frauen in den USA verkaufen kannst, die indische Feuerwaffen-Industrie war aber wesentlich ausgebuffter mit seiner Marketing-Strategie. Während Waffen wie Nirbheek zweifellos aufgemacht sind, um das weibliche Feingefühl anzusprechen, verkaufen sie Frauen gleichzeitig ein Argument zur Selbstverteidigung: dass Waffen irgendwie „mächtig machen“ und vielleicht eher schädlich, dass Frauen allein verantwortlich dafür sind, ihre Angreifer fern zu halten.

Sind Frauen durch Waffen sicherer? Die NAtional Rifle Association in den USA, die Kapital aus Tragödien durch Waffengewalt wie Newton schlagen, hat wiederholt das irrige Argument geliefert, dass der einzige Weg, die bösen Buben aufzuhalten darin besteht, die guten Jungs zu bewaffnen … und, offenbar, auch die guten Frauen. Im März letzten Jahres behauptete Wayne LaPierre, der Chef der NRA, dass „das Einzige, was ein brutaler Vergewaltiger verdiene, sei der Anblick einer bewaffneten Frau.“ Und LaPierre war nicht allein mit der Behauptung, dass bewaffnete Frauen sich besser gegen marodierende Männer wehren können. Gayle Trotter vom rechten Unabhängigen Frauen-Forum verriet dem Rechtsausschuss des Senats, dass Waffenkontrolle sich negativ auf Frauen auswirken könnte, weil eine Angriffswaffe „in den Händen einer jungen Frau, die ihre Babies Zuhause verteidigt, zu einer Verteidigungswaffe wird.“

Aber Erforschung der Waffengewalt durch Organisationen wie des Forschungszentrum für Verletzungsüberwachung in Harvard hat anderes ergeben. Die Studien haben gezeigt, dass mehr Waffen immer Selbstmorde mit Feuerwaffen nach sich ziehen, und dass Waffen selten zur Selbstverteidigung verwendet werden. Stattdessen werden besonders Waffen zuhause eher dazu benutzt, „Nächste einzuschüchtern als Verbrechen zu verhindern;“ auch gehen sie eher bei Unfällen los, und können zu anderen Arten der Gewalt führen. Es sollte darum nicht überraschen, dass Waffen für Frauen eher besonders gefährlich sind: mehr Waffen werden eher mit einem Anstieg gewaltsamer Toden von Frauen verbunden. Andere Studien haben gezeigt, dass

Andere Studien haben auch gezeigt, dass Frauen mit Waffen im Haus eher ermordet werden, als ohne Waffen, und dass wo häusliche Gewalt bereits stattfindet, das Risiko für Mord an Frauen 20 mal höher ist.

Indien ist sicherlich nicht Amerika, aber unter manchen Gesichtspunkten vergleichbar: der Subkontinent hat die zweithöchste Anzahl privater Waffen, was heißt, dass die Argumente für Waffenkontrolle in den USA Indiens Aufmerksamkeit genauso verdienen. Es gibt ausreichend Beweise die darauf hinweisen, dass das Argument für Waffen zur Selbstverteidigung, und vor allem der Verteidigung von Frauen, nicht nur nicht gültig, sondern auch gefährlich ist. In den USA würde eine besser Waffenkontrolle und Regulierung insgesamt zu weniger Gewalt führen; und in Indien, einem Land in dem alle 22 Minuten einer Vergewaltigung passiert, brauchen wir da wirklich noch eine weitere Waffe, die man gegen Frauen richten kann?

Die vergangen paar Jahre wurden als ein Sieg für sich wehrende Frauen in Indien gefeiert – Massenmobilisierung von Männern und Frauen im ganzen Land haben das Problem der Gewalt, der Schikane und der Vergewaltigung in Indien nicht nur zu einer dringenden Angelegenheit der öffentlichen r zu Diskussion gemacht, sondern auch zu einem vorrangigen politischen Problem – Indiens neues Vergewaltigungsgesetz (so mangelhaft es sein mag) ist eine direkte Folge der weit verbreiteten Wut, die auf den Nirbhaya-Fall folgte. Vergewaltigung zu bekämpfen hieß laut und öffentlich darüber zu sprechen, die Einstellung und die Kultur zu hinterfragen, die sie sanktionieren und totschweigen, und am wichtigsten, die Arbeit an der Reform der Behörden, die bisher versagt haben, sie zu verhindern und zu betrafen.

Aber die Bewaffnung von Frauen ist in dem Sinne sinnvoll für Gemeinschaft und Demokratie, dass man zurückschlägt und für Gleichberechtigung der Verantwortung des Einzelnen kämpft, und auch das nur Einzelne, die es sich leisten können Waffen wie die Nirbheek zu kaufen.

Frauen zu bewaffnen fasst zynisch den Mythos von Waffen als großen Gleichmachern durch weibliche Selbstverteidigung zusammen, und versucht Kapital aus dem Frust, der Angst und der Wut zu schlagen, die das Problem der Vergewaltigung bei Frauen in ganz Indien auslösen. Die Idee einer Waffe für Frauen richtet sich auch darauf, von unserem Wunsch zu profitieren, das trügerische Bild von der bewaffneten Frau als Symbol weiblicher Kompetenz zu begreifen. Wie Frauenrechtler in Indien und anderswo bestens wissen, sind Waffen nicht die Lösung für den tief verwurzelten Sexismus und die Frauenfeindlichkeit, die die Gewalt gegen Frauen nähren. Wie es Binalakshmi Nepram, der Begründer des Frauen Waffen Überlebenskünstler Netzwerks, neulich nannte, ist die Vermarktung von Waffen an Frauen als Lösungskonzept für Vergewaltigung und sexuelle Gewalt nicht anderes als ein „Zugeständnis des Versagens“ durch ein System, das Gleichheit hochhalten muss. Und den Mythos zu kaufen, heißt nur, dass der Markt gewinnt.

Quelle: http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/jan/26/india-guns-for-women-follow-us

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

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