In London hallt Pakistans tödliche Pressepolitik wider

Komitee zum Schutz von Journalisten New York, 16. Juni 2013

Von Gypsy Guillén Kaiser/CPJ Director of Advocacy and Communications

Unter den 200 000 Pakistanern, die in London leben, befindet sich Atlaf Hussain, Anführer der Muttahida Quami Bewegung. Diese mächtige politische Partei steckt für viele hinter dem Mord am Journalisten Wali Khan Babar, einem aufsteigenden Stern bei Geo TV, der 2011 in Karatschi erschossen wurde. Seine Berichte konzentrierten sich auf politisch sensible Themen wie Erpressung, gezieltes Töten, elektronische Diebstähle, Landnahme und Aufstände.

Die Polizei nahm mehrere Verdächtige fest, die zur MQM gehören, aber die Untersuchung von Babars Tod endete, als fünf Leute, die mit die in die Untersuchungen verstrickt waren—Zeugen und Gesetzesvertreter—systematisch ermordet wurden, einer nach dem anderen. Zwei der ursprünglichen Strafverfolger wurden bedroht und gezwungen, aus dem Land zu fliehen.

Die Rohheit des Babar-Falls wurde auf einer Diskussionsrunde in London am Freitag beleuchtet, in CPJs1Spezialbericht, Wurzeln der Straffreiheit, der ungelöste Morde an 23 pakistanische Journalisten in den letzten 10 Jahren untersuchte. An der Diskussion in Chatham House nahmen die Berichterstatterin Elizabeth Rubin, und der pakistanische Autor und CPJ Vorstandsmitglied Ahmed Rashid teil.

In Pakistan ist die Angst so groß, dass Journalisten nicht offiziell über die MQM sprechen werden, sagte Rubin. Sie beschrieb eine Spirale der Gewalt und Straflosigkeit, wo Journalisten nicht nur zum Ziel von Bewaffneten, Kriminellen und Kriegsherren, sondern auch der Politik, des Militärs und der Geheimdienste werden.

„Sie sind in einem unerklärten Krieg zwischen den USA und Pakistan gefangen, oder zwischen den verschiedenen Fraktionen im Land … und bevor das nicht geklärt ist, werden sie weiterhin bezahlen.“ sagte Rubin.

Feindseligkeiten gegenüber Journalisten sind in Pakistan nichts neues. Rashid beschrieb, Verhaftungen von Journalisten vergangener Generationen seien in die gezielten Ermordungen von heute übergegangen. Gleichzeitig hat eine traditionell schwache Zivilgesellschaft die Medien gezwungen eine tragende Rolle bei der Untersuchung und Benennung sozialer Missstände und offizieller Untaten zu übernehmen. Journalisten „werden bestochen, beschwatzt, bedroht und schließlich sogar getötet.“ sagte Rashid, der bemerkte der „Krieg gegen den Terrorismus“ habe es den pakistanischen Behörden überlassen, die Presse straffrei zu behandeln.

Die Wurzel des Problems, sagte Rashid, sei die doppelzüngige Politik der Regierung, den Taliban und anderen bewaffneten Gruppen zu erlauben frei zu operieren, sogar als sie an den internationalen Bemühungen teilnimmt, den Terror aufzuhalten. Das verschaffte dem pakistanischen Militär und den Geheimdiensten ein unbegrenztes Mandat ohne Rechenschaftspflicht.

Das Problem erstreckt sich über Pakistans Grenzen. Hussains Reden werden von London aus in voller Länge in ganz Pakistan gesendet, sagte Rashid, der sein Missfallen am „erstaunlichen Schweigen der britischen Regierung“ bekundete, bezüglich des Gewaltanwendung der MQM und ihrer Beteiligung an der Ermordung Babars.

Rubin and Rashid drückten ihre Hoffnung in Nawaz Sharifs neues Programm aus. Die wichtigsten Schritte für eine Regierung, sagte Rashid, seien die Wiederaufnahme der Fälle von Journalisten, die straffrei getötet wurden und die ungeschlossenen Untersuchungsakten dieser Morde zu veröffentlichen. Eine dieser Akten beinhaltet die Ermordung von Hayatullah Khan, einem freischaffenden Journalisten, der 2006 entführt und tot aufgefunden wurde, nachdem er Drohungen von pakistanischen Sicherheitskräften erhalten hatte, von Taliban- und lokalen Stammesmitgliedern. Am Tag vor seiner Verschleppung hatte Khan die Überreste einer amerikanischen Rakete fotografiert, von der man glaubte, sie habe eine führende Al-Qaida-Persönlichkeit getötet, ein Bild das Pakistans offiziellen Berichten der Ermordung widersprach.

Rashid and Rubin sagten lokale Medieneigentümer tragen Verantwortung für die Sicherheit von Journalisten, aber Werbung und politischer Druck machten es ihnen schwer, im Einklang zu handeln. Die Regierung kann die Führung übernehmen. Der Passus zum Zugang zur Informationsfreiheit und das Lockern eines Verbotes von YouTube würden, zum Beispiel, die gesamten Rahmenbedingungen verbessern.

„Es wäre toll, wenn die Regierung etwas in Eigeninitiative tun könnte und man ihr nicht eins über den Schädel geben würde.“ sagte Rashid, der auf den institutionsübergreifenden Plan der UN, der Aktion für die Sicherheit von Journalisten und das Problem der Straflosigkeit als Gelegenheit zur Bekämpfung der Straffreiheit und der Verbesserung der Sicherheit von Journalisten hinwies. Pakistan gehört zu fünf Nationen, in denen der Plan zunächst angewandt wird. CPJ ist Teil eines breiten Bündnisses, das den Plan in Pakistan bewirbt.

Quelle: http://www.ahmedrashid.com/publications/pakistan/articles/

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

1 http://www.cpj.org/

Schreibe einen Kommentar