Hamid Karzai befiehlt Verbot un-islamischer Sendungen im afghanischen Fernsehen

Präsident veröffentlicht vages Dekret, nachdem Kleriker sich beschwert haben, dass viele Senderprogramme „islamischen Werten“ widersprächen.

John Wendle in Kabul

guardian.co.uk, Donnerstag, der 25. April 2013

Einige Jugendliche schauen einen Bollywood-Film im Fenster eines Video-Verleihs in Kabul. Bild: Kaveh Kazemi/Getty Images

 

Der afghanische Präsident, Hamid Karzai, ist von einer konservativen Kleriker-Gruppe dazu aufgerufen worden, Sendungen „un-islamischer“ Filme und Serien zu stoppen, worauf er ein Dekret veröffentlicht hat, in dem manche einen Schritt sehen, den Streit noch vor den Wahlen im kommenden Jahr zu ersticken oder sogar die Taliban zu beschwichtigen.

Der Ulema-Rat hatte sich bei Karzai beschwert, es gebe viele Fernsehsender, die zunehmend vulgär seien und unmoralische Programme sendeten, die kontraproduktiv für das nationale Interesse und islamische Werte seien.

Karzai sagte in einer Erklärung: “Das Ministerium für Information und Kultur muss [Fernsehsender] davon abhalten, solche Programme zu senden, die geschmacklos sind, obszön oder un-islamisch und schlecht für die öffentliche Moral.“

In den letzten zehn Jahren haben in Afghanistan die Kommunikationsmittel Konjunktur gehabt, nachdem das Fernsehen während der fünf-jährigen Talibanherrschaft verboten war. Von westlichen Regierungen ermuntert und gelegentlich finanziert, gibt es nun dutzende Fernsehkanäle, die im Land tätig sind, etwa 36 davon nur in Kabul.

Rafi Ferdous, ein Sprecher der Regierung, sagte, das Ministerium würde die Übertragung von Sendungen und Filmen stoppen, die „gegen unsere sozialen Normen, Werte und islamische Grundregeln verstoßen.“ Aber neben der Nennung von Bollywood-Filmen – die für ihre hüftschwingenden Musikeinlagen bekannt sind – gab er nicht genauen an, was verboten würde.

In Vorwegnahme der Verärgerung von Zuschauern und Rechtsorganisationen betonte Ferdous, dass die Regierung „die Freiheit der Medien und Rede nach Vorgabe der afghanischen Verfassung achte, deren Hauptmotive soziale Normen, Werte und religiöse Grundwerte seien, die jeder zu respektieren habe.“

Aber Abdul Mujeeb Khalvatgar, der Chef von Nai, einer unabhängigen Medienbehörde und Ausbildungszentrum, sagte: „Ich habe das Dekret gelesen. Es ist vage, gegen die Verfassung und das Mediengesetz. Dem Ulema-Rat zufolge, soll das Fernsehen ein Auge auf das Senden und Übertragen von Filmen und Serien haben, die gegen – und das ist der ungenaue Teil – gegen die öffentliche Moral Afghanistans verstoßen und die Vorschriften des Islam. Aber diese Vorschriften variieren von Person zu Person, von einer Religionsgemeinschaft zur anderen.
„Es ist meine berufliche und persönliche Meinung, dass sie versuchen den freien Zugang zu Informationen vor den Präsidentschaftswahlen zu begrenzen.“ sagte er. Es könnte auch ein Versuch sein „die Taliban zu beglücken, sie versöhnlich zu stimmen.“ sagte Khalvatgar noch.

Quelle: http://www.guardian.co.uk/world/2013/apr/25/hamid-karzai-afghan-tv

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

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