Erscheinen der Memoiren von Malala Yousafzai in Pakistan unterbunden

Politikern wird vorgeworfen, eine Werbeveranstaltung für Ich bin Malala, die Autobiografie des Schulmädchens, das Schüsse der Taliban überlebte, verhindert zu haben


Jon Boone in Lahore

The Guardian, Dienstag 28. Januar 2014

Ein Versuch die Memoiren des pakistanischen Schulmädchens erscheinen zu lassen, die zum weltweiten Symbol wurde, nachdem die Taliban ihr in ihrer Heimatprovinz in den Kopf geschossen hatten, ist durch den Widerstand lokaler Politiker verhindert worden.

Malala Yousafzai sollte bei einer Veranstaltung am Montag an der Universität von Peschawar veröffentlicht werden, doch die Organisatoren waren gezwungen sie abzubrechen, nachdem zwei ranghohe Mitglieder der Regierung der Provinz Khyber Pakhtunkhwa (KP) sich eingeschaltet hatten.

Der Vorfall untermalt die Abneigung vieler Pakistaner gegenüber der 16-jährigen, die sich trotz des Widerstands der Taliban für Bildung einsetzt

Während sie im Westen für ihren Einsatz gegen den Extremismus gefeiert wird, wird sie in Pakistan vor allem mit Misstrauen betrachtet, wobei viele Leute an Verschwörungstheorien glauben, die besagen dass die Geschichte von dem Versuch der Taliban, sie zu ermorden als sie im Oktober 2012 auf dem Weg zur Schule war, nicht stimmt oder überzeichnet werde.

Die Veranstaltung, die am Studienzentrum für Zentralasien stattfinden sollte, war geplant um Beachtung für ein Buch zu wecken, das in Pakistan nicht überall verfügbar ist (oder sein wird. Anm. d. Übers.).

Wenige Buchverkäufer trauen sich es zu lagern, nachdem die Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), die in KP besonders stark ist, drohte, Läden zu attackieren, die Ausgaben von Ich bin Malala verkaufen.

Die Organisatoren gaben an, sie seien unter enormen Druck geraten die Veranstaltung abzusagen, durch Minister, die Polizei und Vertreter der Universität, die sich alle einschalteten.

„Sie alle haben sich mehrfach entschuldigt.“ sagte Khadim Hussain, Direktor der Baacha Khan Stiftung1 und einer der Organisatoren. „Zunächst sagten sie, es bestehe ein Sicherheitsrisiko, dann das Buch sei nicht relevant für das Studienzentrum.“

Er sagte, Gegner der Buchveröffentlichung wollten es einfach den Taliban recht machen.

Die Provinzregierung wird von einer Koalition kontrolliert, die aus der islamistischen Hardliner-Partei namens Jamaat-e-Islami (JI) und der pakistanischen Tehreek-e-Insaf (PTI) unter Führung von Imran Khan besteht, einem ehemaligen Kricketspieler, den Kritiker oft beschuldigen, der religiösen Rechten des Landes zugeneigt zu sein.

Minister der Provinz beider Parteien wandten sich an das Studienzentrum, um den Abbruch der Veranstaltung zu fordern.

Später gaben sie an, sie hätten die Veranstaltung als parteipolitisch betrachtet, wegen der Verstrickung der Baacha Khan Bildungsstiftung mit der Awami Nationalpartei, einer säkularen, nach links tendierenden Partei, die mit der PTI und der JI um die Provinz im Wettstreit liegt.

Auf Twitter schrieb Imran Khan, er sei von der Entscheidung überrascht gewesen, die Veröffentlichung des Buches zu stoppen. „Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum das Erscheinen von Malalas Buch in Peschawar unterbunden wurde. Die PTI steht für Freiheit des Wortes und der Debatte.“ tweete er.

Der Sprecher der Partei sagte später, es gebe „kein Verbot oder einen Stopp der Veröffentlichung“ des Buches, aber es gebe „ein Problem mit dem Veranstaltungsort.“

Yousafzai wurde im Oktober 2012 angeschossen, überlebte aber lang genug um zur weiteren Behandlung ins UK gebracht zu werden und ihren Unterricht fortzuführen. Bald darauf wurde sie zur bisher jüngsten Kandidatin für den Nobelpreis gekürt.

Quelle: www.theguardian.com/world/2014/jan/28/malala-yousafzai-pakistan-book-launch-scrapped

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

1http://bkefoundation.org

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