Englische Literatur und Politik


DAWN 2.Mai 2013

Von Atle Hetland

Literatur besteht nicht nur aus guten Erzählungen, clever gesponnenen Handlungen und ernsten Worten in Dichtung und Prosa. Literatur ist viel mehr, und Gattungen gibt es viele, sogar Überschneidungen. Heute müssen wir die neuen und sozialen Medien einschließen, neben den kaum älteren visuellen Medien Film und Fernsehen und den Audiomedien Radio, Schallplatten, Bänder und CDs. Dennoch ist das Buch selbst in unserer Multimedia-Welt etwas besonderes. Das wurde von vielen Podiumsbesuchern und Teilnehmern am zweiten Tag des riesigen und absolut erfolgreichen Literaturfestivals von Islamabad gestern bestätigt.

In einer Lesung über „Pakistan in der westlichen Vorstellung: Was sind die Herausforderungen für pakistanische englische Literatur“, fragte die Moderatorin Muneeza Shamsie Rashed Rahman, ob er es ins Auge gefasst habe nicht-fiktional zu schreiben. Er betonte, er sei Journalist und nicht Autor, aber er erwähnte, dass auch er Gedichte schreibe und hob hervor, dass er viel pakistanische, indische und andere Literatur lese. Er erklärte, dass er, als er als Erwachsener Journalist wurde, ein besonderes Interesse am Berichten über die sowjetische Invasion Afghanistans hatte. Er begriff es als Pflicht die Wahrheit zu erzählen und zu erklären was geschah. Für einige Zeit und an bestimmten Orten war er der einzige Berichterstatter.

“Gerade heute ist es sehr wichtig Fakten mitzuteilen und zu erklären, und nach der Wahrheit zu suchen.“ sagte Rashed Rahman. „Es besteht immer noch wenig Bildung und viel Unverständnis unter Völkern.“

Später unterstrich Ahmed Rashid, dass das Schreiben über Alltägliches, ob wir gut oder schlecht mit unseren Nachbarn umgehen, ebenfalls politisch ist. Politik ist nicht etwas, das man abschotten kann.

Die Dichterin Ilona Yussuf sagte, sie sei nie ein politischer Mensch gewesen, aber sie schreibe auch über politische Themen, wie etwa ihre Vorliebe über Leute zu schreiben, die manchmal vermeiden die Wahrheit zu erkennen. Sie erwähnte auch, dass sie über die Probleme in Swat geschrieben hat, und sie erinnerte sich daran, als sie im Südwesten Amerikas war, dass sie über die Neugierde der Leute und das mangelnde Wissen über die Situation der Frauen in Pakistan, mit Gewalt gegen Frauen und Verstümmelungen ihrer Gesichter, überrascht war.

Shehryar Fazli, ein politischer Analytiker, der auch non-fiktional geschrieben hat, sagte, er denke dass Poesie und das gesprochene Wort weiter führen könnten als es die Prosa tut. Und Ilona Yusuf unterstrich noch, dass das in Pakistan nur für Urdu gelte, nicht für Englisch. Und sie sagte, das ein Grund für die Macht der Literatur darin liege, dass große Literatur aus dem entstehe, was einem selbst am nächsten sei.

Darüber hinaus schienen sich die Podiumsbesucher über die Macht des geschriebenen Wortes einig zu sein, selbst in unserer multimedialen Zeit. Ahmed Rashid und Shehryar Fazli unterstrichen beide, dass wir uns alle an die Bücher, die wir gelesen haben, erinnern, besonders in jungen Jahren, sogar besser als an Filme, die wir sahen.

Viele der gestellten Fragen betrafen das Bild, das im Westen von Pakistan geschaffen wird. Einige Teilnehmer sahen es offenbar so, dass Pakistan oft kurz abgehandelt wird, eher mit Betonung auf den negativen Aspekten als den positiven und angenehmeren. Ein journalistischer Standpunkt der Beachtung fand, war dass die Wirklichkeit nicht verändert werden kann, sie muss berichtet werden. Ahmed Rashid sagte, der Sender, der Journalist, könne nicht verantwortlich gemacht werden. Ilona Yusuf betonte ebenfalls, dass es nicht Aufgabe der Autoren sei, Eindrücke anzupassen. Es ist ihre Pflicht zu schreiben, was sie sehen und wie sie es sehen, auf der Suche nach der Wahrheit.

Obwohl der Einfluss englischsprachiger Autoren im Westen auf den verschiedene Sitzungen des Literaturfestivals von Islamabad keine Ergebnisse zeitigte, und man sich eine akademische und systematische Analyse des Themas gewünscht haben mag, gelang es den Autoren einen guten Eindruck des Stellenwerts der breit gefächerten und vielfältigen englischen Literatur in der Heimat und im Westen zu vermitteln, einschließlich derer, die die pakistanische Diaspora im Ausland schreibt. Es lag aber nicht im Rahmen des Festivals konkrete Projekte für die Zukunft zu diskutieren, die dabei helfen könnten das Bild von Pakistan im Ausland zu ergänzen. Dennoch könnte es sehr wichtig sein, dies zu tun. Ahmed Rashid betonte, er sehe in Pakistan ein mannigfaltiges Land, das Bilder benötige, die facettenreich gemalt seien.

In getrennten, politischen Sitzungen mit dem Titel “Pakistan am Kreuzweg” wurde demonstriert, dass Autoren unter Umständen so gut wie Wissenschaftler und Analysten Pakistans brennende Probleme debattieren können. Dann wurden die Erkenntnisse von dem starken Podium demonstriert, bestehend aus Rasul Bakhsh, Rais, Mumayun Gauhar, Riaz Khokhar und dem Moderator Ashraf Jehangir Qazi. Ja, es war ein rein männliches Podium, und in unserer Zeit war das ein Fehler. Es wurde Wert darauf gelegt, dass wir in zukünftigen Jahren nicht nur kritisch mit Politikern in unserem Land umgehen sollten. Ashraf Jehangir Qazi sagte, dass er denke die Bemühungen um Dezentralisierung seien sehr beeindruckend und er denke auch, dass in den kommenden Jahren, nach den folgenden Wahlen, noch mehr erreicht werde. Er unterstrich noch den Stellenwert der Rolle der zivilen Gesellschaft und die Beteiligung der Menschen.

Diese beiden Sitzungen, die Letzte war wirklich ernsthaft und zeitgemäß, wurden durch eine Stunde ausgewählter Leseproben von Zia Moheddyin aufgelockert. Die größte Halle im Hotel war voll von hunderten junger und alter Teilnehmer. Die geschmeidigen und manchmal volkstümlichen Geschichten waren erstklassige pakistanische Literatur auf Englisch, die jeden mitriss. Viele waren extra für diese Sitzung gekommen. Und so sollte es bei einem großen Festival sein: Leute kommen um inspiriert zu werden und Denkanstöße zu bekommen, anfangen zu lächeln, Nähe zu spüren und Einsichten zu gewinnen, Jawohl, und die Zeit einfach zu genießen. Und dann, vielleicht ein Besuch im Buchladen auf dem Heimweg, oder an einem anderen Tag in nicht zu ferner Zukunft, und spüren, dass die Literatur dem Leben mehr Bedeutung verleiht.

Quelle: http://www.ahmedrashid.com/publications/pakistan/articles/

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

Schreibe einen Kommentar