Das Selbsthilfe-Handbuch für Al-Qaida Terroristen: Inspire magazine

Al-Qaidas verschlagenes und unheilvolles Magazin für Dschihadisten empfiehlt ein Fahrzeug, um ein Ziel umzumähen – das hat in Woolwich offenbar stattgefunden

Von Ian Black

guardian.co.uk, Freitag, 24. May 2013

Das muntere, umgängliche Englisch von Inspire stammt von seinem Gründer, dem verstorbenen Anwar al-Awlaki.

Bild: Site Intelligence Handout/EPA

In der finsteren Welt der Terrorismusbeobachter gilt ein ungewöhnliches Magazin namens Inspire oft als erste Adresse, ein „Selbsthilfe-Handbuch für Dschihadisten, das vollgepackt ist mit gefährlichen Ratschlägen, die verlockend dargestellt werden.

Dadurch war es keine Überraschung, dass in den Empfehlungen des Onlinemagazins stand, man solle ein Fahrzeug benutzen um ein Ziel niederzumähen – ersichtlich das, was am Mittwoch auf der Außenseite der Kaserne der Königlichen Artillerie geschah.

Diese Ausgabe des 21. Jahrhunderts von Das Kochbuch des Anarchisten taucht gewöhnlich zu den übelsten Gelegenheiten auf. Nach dem Attentat von Boston im April fanden Ermittler des FBI heraus, dass die Schnellkochtopf-Bomben von Dhzokar und Tamerlan Tsarnaev auffallende Ähnlichkeit mit einem Rezept in der ersten Ausgabe von Inspire hatten, das den Titel „Wie man in Muttis Küche eine Bombe baut“ trug.

Die letzte Ausgabe, Nummer 10, verkündet auf der Webseite: “Freiheitskämpfer, man wird uns nie in Ruhe lassen. Eure Völker werden keinen Frieden finden, solange Blut in unsere Adern fließt und unsere Herzen schlagen. Wir kommen im Auftrag Allahs!“

In der Abteilung “Freiwilliger Dschihad” – „einem Handbuch für jene, die die Unterdrücker hassen“ – gibt es nützliche Praxis-Tipps: „Mit einfacher Anleitung kannst du einen tödlichen Anschlag begehen. Vergeltung steht nicht zu befürchten. Stell es einfach hin (oder an) und verschwinde.“

(Die Illustration zeigt einen maskierten Mann mit einem Stechgerät, um Autoreifen zu zerstechen.)

Das Kennzeichen von Inspire ist seine quietschfidele, umgangssprachliche englische Art, die anscheinend von seinem Gründer, Anwar al-Awlaki stammt, ein extremistischer amerikanisch- jemenitischer Prediger, der in New York aufwuchs, aber angeblich bei einem Drohnenangriff im November 2011 seinen Tod fand. Zufällig gab die US-Regierung am Mittwoch zum ersten Mal zu, ihn getötet zu haben, obwohl er ein Bürger war, dem nie ein Verbrechen vorgeworfen wurde.

Al-Qaidas berühmt gewieftes und übles Magazin erschien 2010 zum ersten Mal, als der Fokus des globalen „Kriegs gegen den Terror“ sich von der afghanisch-pakistanischen Grenze in den weit entfernten Jemen verschob – das ärmste Land der arabischen Sphäre und ein Magnet für Möchtegern-Dschihadisten, nach ihrer Niederlage im benachbarten Saudi-Arabien. Da es öfter in Englisch als in Arabisch erscheint – ein komplexen Sprache, gerade für Nicht-muttersprachliche Muslime – ist es überall zugänglich. Es gibt auch eine Version in Urdu.

Das „Vanity Fair des Terrorismus“ genannt, stellt Inspire markant professionelle Literatur der „Selbst-Radikalisierung“ von Extremisten dar, die lieber Zugang zu Al-Qaida oder ähnlich gesinnten Gruppen per Computer-Bildschirm in ihrem Schlafzimmer suchen, als die Kuffar (Ungläubige) in Afghanistan oder im Irak zu bekämpfen. Aber das Magazin ist auch ein Leitfaden für Neulinge, für das, was sie im Dschihadisten Trainingslager zu erwarten haben und die Regeln, an die Rekruten sich zu halten haben.

Neben der Beratung zum Bombenbau, Kodierung, Herstellung von Giften oder Überwachung, bietet Inspire Koranauslegung und schräge Werbung für Al-Qaida. Sein Besitz hat Strafverfolgungen in GB und Australien ausgelöst. Es ist aber auch Ziel von anonymen Hackern, die seinen Einfluss begrenzen wollen: ein passender Fall, wenn es einen gibt, für virtuelle Kriegsführung durch Regierungen.

Quelle: http://www.guardian.co.uk/world/shortcuts/2013/may/24/inspire-magazine-self-help-manual-al-qaida-terrorists

 

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

2 Gedanken zu „Das Selbsthilfe-Handbuch für Al-Qaida Terroristen: Inspire magazine

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