Das Noam Chomsky-Gewerbe wird fortgesetzt mit Totenmesse für den Amerikanischen Traum

Regie: Peter D. Hutchison, Kelly Nyks und Jared P. Scott

Buch: Peter D. Hutchison, Kelly Nyks and Jared P. Scott

Genre: Dokumentation

Land: USA

Sprache: Englisch

Es ist schwierig über eine Dokumentation wie Totenmesse für den Amerikanischen Traum zu schreiben. Denn Erstens, es ist genau genommen keine gewöhnliche Doku. Es ist eher ein langanhaltendes Gespräch – oder eine Reihe von Gesprächen – mit dem amerikanischen Philosoph, Linguist und sozialen Aktivist Noam Chomsky. Wenn irgend etwas dokumentiert wird, dann die Tiefe und Breite des Denkens von Chomsky.

In erster Linie behandeln die Filmemacher Chomskys begründete, durchdachte Erläuterung, wie die Bündelung des Vermögens in Amerika das Gleichgewicht der Macht korrumpiert, das Wesen der amerikanischen Demokratie delegitimiert und den ganzen legendären Traum des Amerikanischen Lebens versauern lässt.

Zweifellos ist der 86 Jahre alte Chomsky irre intelligent. Er kann, mit eklatanter Deutlichkeit, den langen Kampf der Vereinigten Staaten zwischen Demokratisierung (Feminismus, die Bürgerrechtsbewegung, Aktivismus gegen den Krieg, Umweltschutz) schildern und seine hässlicheren, eher oligarchischen Tendenzen (Körperschaften, Aufstieg der Superreichen), zwischen den „zivilisierenden Einflüssen“ der Vereinigten Staaten in den 1960ern und der „Handelsoffensive“ der Vereinigten Staaten, die in den 1970ern als eine Rückkopplung dieser Einflüsse begann.

Chomsky verneint viel der Grundlagen des Marxistisch-Leninistischen Denkens. Als Förderer des Anarcho-Syndikalismus glaubt er an die Stärkung der Gewerkschaften, lehnt den Gedanken eines Arbeiter- oder sozialistischen Staates aber, weil innewohnend verwerflich, ab. Gleichwohl, er wirkt sehr wohl in der langen marxistischen Tradition der Herstellung gebildeten Stoffs.

Alle Konzepte in Totenmesse für den Amerikanischen Traum verfügen über hinreichlich Dynamik. Aber für jedermann, die oder der sich mit Chomskys Denken oder Schreiben auseinandergesetzt hat, wirkt es ein bisschen aufgewärmt. Es gibt bereits ein halbes Dutzend Dokumentarfilme, die entweder Chomsky und sein Denken behandeln, oder sie nehmen sie vorweg als eine Art strukturierenden Mechanismus, von Manufacturing Consent (1992) bis zur animierten Dokumentation Ist der Mann, der groß ist, glücklich?1 von 2013. Dann jedoch wieder wurde Totenmesse für den Amerikanischen Traum von Kickstarter finanziert. Das bedeutet, eine angenommenes Publikum war garantiert. Das Publikum ist bereits von Beginn an fast absichtlich begrenzt. Trotz der Probleme, die großen Namen der Dokumentationen zu verfolgen, wie sagen wir Michael Moore oder Errol Morris, haben ihre Filme eine Methode die Kultur im großen Stil zu durchdringen, Totenmesse für den Amerikanischen Traum hingegen kommt rüber wie eine Sache nur für Fans, die ausschließlich auf Chomsky-Bewunderer zielt.

Die Zuversicht besteht, schätze ich, darin, dass derartige Verehrer Chomskys Arbeit fortsetzen und sein Denken weiterentwickeln – sei es durch die Praxis politischer Philosophie oder durch sozialen Aktivismus. Derart, wie die Filmemacher ihr Thema zu einer etwas abseitigen Sonderbarkeit aufblasen, benötigt die Welt tatsächlich mehr Noam Chomskys.

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

Quelle: http://www.theglobeandmail.com/arts/film/film-reviews/noam-chomsky-industry-continues-with-requiem-for-the-american-dream/article27497866/