Danny DeVito: Keiner wird den Ein-Meter-fünzig-Mann vergessen

Von Taxi bis Twins, Danny DeVito ist eine von Hollywoods einprägsamsten Gestalten. Er spricht über Familie, Friseure und Über Politik streiten mit Arnold Schwarzenegger.

Danny DeVito: „Ich bin 68, aber fühle mich, als könnte ich noch Tonnen an Dingen tun.”

Bild: Graeme Robertson

Donnerschlag, es ist Danny DeVito. Einer der einzigartigsten Schauspieler der 1980-er und 90-er, und mit Sicherheit körperlich der eindeutigste, steht in einem der nichts sagenden Tageshotelzimmern in Whitehall, von allen Plätzen einer, der einen Steinwurf von Downing Street No.10 liegt.

Hey, ich bin Danny DeVito, schön euch zu treffen, danke fürs Kommen. sagt er mit einem New Jersey- Akzent, der ihn ein bisschen wie einen Kumpel der Sopranos klingen lässt,

Nicht viele Schauspieler haben je so ausgesehen, als hätten sie so viel Spaß wie Danny DeVito. Von der Rolle als Michael Douglas’ und Kathleen Turners’ quirliger Derwisch eines bösartigen Verderbens in „Der Rosenkrieg1“, über den Nörgler an Arnold Schwarzenegger in Twins, und das Watscheln durch sein Versteck als dämonischer Pinguin in Batmans Rückkehr, hat DeVito die Mattscheibe solange ich mich erinnern kann durchgekaut, und verzuckerte sie mit der Wonne eines Mannes, der zufällig an seinen Traumjob geraten ist. Auch wenn man keinen dieser Filmen verehrt (wobei man verrückt sein muss), hat DeVito natürlich den Sockel deiner Kinogewohnheiten im späten 20-sten Jahrhundert gebildet. DeVitos Produktionsfirma war es, Jersey Films, die so 90-er Klassiker wie Fasst Shorty, Erin Brockovich, Reality Bites und Pulp Fiction gemacht hat.

“Wir legen Miramax auf die Matte!” sagt er und keucht gepresst vor zufriedenem Lachen.

Persönlich ist er ziemlich genau wie auf dem Bildschirm: schnell redend, liebenswert und, um es höflich zu formulieren, so groß wie er rund ist. Er beschreibt sich selbst als „Einen Meter nichts“, aber von meinem luftigen Aussichtspunkt bei einem Meter sechzig, scheint das ein wenig übertrieben. Er reicht mir kaum an die Hüfte und wenn er sich später herzlich von mir verabschiedet, muss ich mich bis zur Hüfte vorbeugen, um ihn zu umarmen. Wie er mit den Jahren selbst wiederholt von sich gab, hat seine Größe seine Karriere sicherlich befördert – „Kein Besetzungschef wird den 1,50-Typ vergessen!“ – und, soundso, kann der Mann den Raum ausfüllen.

Obwohl er an Jetlag leidet und hörbar an einer beginnenden Erkältung, ist er so putzmunter wie er immer auf der Leinwand war. Eine einzige Frage mündet oft in eine ernergiegeladene, 20-minütige Antwort, eine die über Politik („Ich bin so froh, dass Bush, der arme Hund, nicht mehr da ist.“) und Nachahmungen von Schwarzenegger („Kah-lie-foahr-niän hot diesä gonzen Probleemä-ho!“) bis zu seiner kurzen frühen Karriere als Haarstylist („Da waren diese ganzen Mädchen – das war ein guter Sommer – hahaha!“)

Danny DeVito in Einer flog über das Kuckucksnest (1975).

Bild: Moviestore Collection/Rex Features

„Ich bin 68, aber ich fühle mich, als könnte ich noch Tonnen an Dingen erledigen.” sagt er, und reibt mit der Handfläche über seine kahle Platte, eine Geste, die er wie einen Tick den gesamten Nachmittag wiederholt. Das Haar, das seinen Kopf säumt, ist mit den Jahren ein wenig grauer und büscheliger geworden, aber im Großen und Ganzen sieht er aus, benimmt sich und klingt wie in seiner Durchbruchsrolle vor über 30 Jahren in der US Fernsehsendung Taxi, die auf CBS Drama wiederholt wird.

Taxi lief von 1979 bis 83 und ist eine von Amerikas großen Sitcoms, von einer hohen Qualität und intelligenten Empathie wie MASH oder Cheers. DeVito war weitgehend unbekannt als er sich vorstellte und, obwohl die Sendung inhaltlich eine Bühne (Wortwitz nur nebenher gewollt) für ihren Star, Judd Hirsch, war, hat ihm DeVito die Show gestohlen, obwohl er rasch hinzufügt: „Das lag alles am Buch.“ DeVito ist eine süße Mixtur aus Bescheidenheit gegenüber seinen eigenen Leistungen und ungestümem Stolz für gemeinsame Ergebnisse, und es gibt wenige Projekte die DeVito im Rückblick so stolz machen wie Taxi.

DeVito liebt es, familiäre Beziehungen mit seiner Rolle und Mannschaft aufzubauen, und mit der Taxi-Familie hat er fünf aufregende Jahre verbracht. Genau wie er die Sendung rettete, als ihr 1982 der Herauswurf drohte (er appellierte publikumswirksam an Saturday Night Live um einen Aufschub; ein anderer Sender übernahm es) produzierte und spielte er die zweite Nebenrolle in Jim Carreys Film Man on the Moon von 1999, eine Biographie eines seiner Taxi-Kollegen, Andy Kaufman, der 1984 mit 35 Jahren starb. Kaufmans Art von Humor – surreal, verwirrend, witzfremd – wirkt wie ein ausgeleierter Schuh vor DeVitos erweitertem Konzept. Aber DeVito verehrte ihn und nur bei Nennung seines Namens folgt eine weitere 10-minütige Anekdote, die Bauchschütteln verursacht, und man hustet, als hätte man ein H(aar) im Hals. Eine weitere Ursache für DeVitos Leidenschaft für Taxi ist, dass seine Rolle, Louis de Palma, der tyrannische Taxi-Verleiher, sehr zur Schablone seiner Erfolgsgeschichte wurde: er hat mehrfach Varianten der Rolle gespielt, mitunter in seiner aktuellen US-Fernsehsendung In Philadelphia scheint immer sie Sonne2. „Oh ja, ich spiele immer nach meinen Stärken.“ grinst er, und greift zur Selbstentblößung, um der Point willen.

Danny DeVito mit Arnold Schwarzenegger in Twins (1988).

Bild: Allstar/Cinetext/Universal

Aber diese Vorstellung, dass DeVito immer glücklich künstlerisch hin und her glitt, ist offenbar nicht wahr. Neben der reinen Vielfalt seiner Produktionsarbeiten, hatte er für so unterschiedliche Filme wie Schmeiß die Mamma aus dem Zug (eine 80-er Komödienfragment über Fremde in einem Zug, mit Billy Chrystal), Hoffa und eine der besten Literaturverfilmungen aller Zeiten und Matilda, Regie geführt.

„Wenn ich Regie mache oder produziere, mache ich gerne verschiede Arten von Geschichten. Aber du musst wissen, was du wirklich magst, und tust du das, muss du Stellung beziehen.“ sagt er.

DeVito liebt es, Geschichten zu erzählen, wie er sich einsetzte. Eine seiner liebsten geht darum, wie er kämpfte um Pulp Fiction machen zu können. DeVito hatte sich in das Buch von Reservoir Dogs verliebt und Quentin Tarantino gesagt, er solle sich mit seinem nächsten an ihn wenden. Tarantino schickte ihm, gebührend dankbar, Pulp Fiction. DeVito war mit typischer Begeisterung „wild darauf“, und kaufte es. Dennoch, TriStar, die Firma, der DeVito verpflichtet war, verwarf es, und befand den Film als zu gewalttätig.

“Ich war entsetzt.” erinnert sich DeVito. „Ihr Jungs habt Cliffhanger mit Stallone gemacht, der alles hochjagt – das ist ziemlich gewaltig. Darum sprang ich auf den Tisch des Typen und schrie: ‚Ihr müsst diesen Film machen! Ihr müsst!’“

Ein ungerechtes Bild eines hysterischen Ich-Zwergs, der in Bürogebäuden herumhüpft, springt mir in den Sinn. „Der Typ rief ‚Schmeißt ihn raus!’ Also rief ich Harvey (Weinstein) an, und rette mir den Arsch, und wir bauten Miramax auf.“

DeVito ist leidenschaftlich und (nicht überraschend) bekennender Demokrat. Seine politische Überzeugung, vermute ich, muss für einige peinliche Momente mit seinem alten Freund Schwarzenegger gesorgt haben.

“Oh ja. Wenn ich über ihn in der Zeitung las, dass er etwas als Gouverneur tat, das ich nicht mochte, rief ich ihn an und sagte ‚Mann, was für’n Schei……?!“ sagt er, und lässt den erklärenden Schweiffffff weg.

Tatsächlich , hat DeVito versucht Schwarzenegger das Kandidieren auszureden, indem er auf alles hinwies, dass sie Twins2 planen müssten, dieses Mal mit Eddie Murphy als dritten unglaubwürdigen Sittenspross: „Es war wie „Gouverneur von Kalifornien auf dieser Seite,“ er streckt seine Hand zum Boden, „Twins2 hier!“ und er hebt seinen Arm zum Himmel. Zum Glück für alle Cineasten, steht Twins2 wieder auf dem Plan, und derartige Auseinandersetzungen standen ihrer Freundschaft nie im Weg:

„Weißt du, ganz tief drin, habe ich immer gespürt, dass Arnold ein guter Typ war …“ seine Stimme sinkt ein wenig unsicher.

DeVito ist ein flammender treuer Freund, und zu seinen engsten Kumpeln gehören Michael Douglas (mit dem er sich ein halbes Jahrhundert herumgetrollt hat) und Jack Nicholson (der ganz in seiner Nähe in New Jersey aufwuchs). „Leute kommen in unser Leben und du verbringst eine gute Zeit mit ihnen, und die Zeit vergeht und du hast immer noch eine gute Zeit mit ihnen und machst Blödsinn mit ihnen. Für mich ist das das Leben.“ sagt er.

Danny DeVito debütiert letztes Jahr im West End mit The Sunshine Boys. Bild: Tristram Kenton

Diese schlagkräftige und tief zugeneigte Natur stammt vom Heranwachsen in einer italienischen Familie, gesteht er. „Wir geraten immer in Streit über irgendetwas, auch wenn es meist um Musik und Mädchen und Gewürzrezepte geht,“ er grinst. DeVito war der einzige Sohn und hatte zwei arg ältere Schwestern, „die sich um Danny-Boy kümmerten“, und von denen die eine ihm einen Job in ihrem Schönheitssalon anbot, als er mit der Highschool fertig war. Das machte er eine zeitlang („meist Waschen, manchmal etwas Färben, ich liebte es unter Frauen zu sein“). Seine Schwester entschied dann, ihn auf einen Lehrgang über das Schminken zu schicken, um seine Tätigkeiten zu erweitern. Also machte er sich gehorsam auf zur amerikanischen Akademie der dramatischen Künste, wo er feststellte, dass er eigentlich das Schauspielern dem Schminken vorzog. „Also musste ich es meiner Familie sagen.“ sagt er ernst, und hört sich an, als wäre es ein Geständnis.

Der Stellenwert, den DeVito den Familienbanden und Langzeitbeziehungen offensichtlich beimisst, gibt der Nachricht vom letzten Jahr, dass er und seine Frau, Rhea Perlman, sich nach vierzig Jahren getrennt haben, einen traurigen Beigeschmack. Nur wenige Paare passten optisch so gut zueinander wie DeVito und Perlman, und ihre Hochzeit galt generell als selten stabil und glücklich in Hollywood.

„Ach, Rhea und ich? Uns geht’s gut, wir sind immer noch enge Freunde. Wir sprechen uns die ganze Zeit, wir verstehen uns.” Sagt er, und zum ersten Mal an dem Nachmittag verliert er ein wenig seinen Mut und hört sich ein wenig müde an. Und dann, vielleicht weil ich so gebannt auf ihn wirke, oder weil er es vielleicht einfach braucht, greift er hoch und umarmt mich herzlich und lange.

Aber Devito ist nicht umsonst seit vierzig Jahren in diesem Geschäft, und er ist schnell wieder bei der Sache und erzählt glückselige Geschichten von einem schützenden Vater, der er für seine Perlemans drei, jetzt erwachsene Kinder war.

„Oh, Ich mag sie sehr. Aber die Sache mit Kindern ist die, dass wenn du sie richtig erziehst, sie dich verlassen.“ sagt er. Das klingt traurig, aber DeVito grinst.

• Taxi läuft am Wochenende um 6 Uhr 30 ab dem 7.März auf CBS Drama3 bei Virgin 197 / Sky 149 / Freesat 134

Quelle: http://www.guardian.co.uk/film/2013/feb/27/danny-devito-five-foot-guy

Übersetzung : Thorsten Ramin

 1 Original: Romancing the Stone

3 http://www.cbsdrama.co.uk/index.php

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