Corbynismus auf den Punkt gebracht

Corbynismus, benannt nach dem britischen Labour-Chef Jeremy Corbyn, bezeichnet die Frage nach Salienz. Das wiederum hat nix mit Salz, dafür mehr mit Prominenz zu tun, da sie in der Politologie Sachverhalte bezeichnet, nach denen zunächst niemand fragt. Perzeptuelle Prominenz, ergo.

Zu dieser Kategorie darf man den Einwand der Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt gegen das Männergehabe zum Thema Rot-Rot-Grün genauso zählen wie die Entwicklung hin zur Todesstrafe in der Türkei. Soll heißen, mögliche Koalitionspartner dürfen miteinander reden, auch wenn es sich um die Hahnenreihe der Parteien handelt (in diesem Fall heißen die Hähne Lafontaine und Trittin), während auf der anderen Seite ein Putsch in der Türkei eben nicht die Wiedereinführung der Todesstrafe nach sich ziehen darf, zumindest nicht, wenn man weiterhin ernsthaft an einer EU-Mitgliedschaft in den kommenden hundert Jahren interessiert ist. Immerhin ist die Todesstrafe dort seit spätestens 2004 nicht mehr in Kraft1. (Also in der Türkei.)

Sollte man also Kartoffeln eher pürieren oder braten? Was ist besser: Katzen oder Hunde? Ist es akzeptabel wenn die Nachbarn deiner Tante nachts nach elf noch laute Musik hören? Nun, am Ende kann das jeder sehen wie er will, schließlich sieht die eine Hälfte von uns es so und die andere eben anders. Was den britischen Corbynismus angeht, ist Labour nun gespalten betreffend der nuklearen Abrüstung. Während das Thema für die Bevölkerung eine sogenannte Salienz darstellt, unterstreicht Jeremy Corbyn seinen Willen zur einseitigen Abrüstung. In Schottland wiederum stellt sich die Situation genau anders herum dar2. Bis heute rumort der Verdacht in GB, dass Labour die Wahlen von 19873 verlor, weil man auf nukleare Abrüstung setzte.

Ich meine, so verlieren die Großen Alten Parteien doch heute alle ihre Wahlen. Ihnen fehlt die Salienz in der Suppe4.

Bielefeld, der 18.07.2016

Thorsten Ramin