Ahmed Rashid spricht am FC College in Lahore über Afghanistan

Freitag, 6. November 2013

Von Ahmed Rashid.

Am 6. November 2013 hatte der Fachbereich Geschichte des Forman Christian College1 den angesehenen Journalisten und Autor, Ahmed Rashid zum Thema „Afghanistan 2014: Das Endspiel?“ eingeladen. In einem sehr informativen Gespräch unterteilte Herr Rashid vier Umbrüche, die im Jahr 2014 und später in Afghanistan stattfinden werden. Erstens werde die politische Veränderung einzig mit den Präsidentschaftswahlen 2014 verbunden sein. Sollten sie wie 2009 manipuliert werden, betonte Rashid, dann werde die Situation katastrophal. Die Vereinigten Staaten blenden das Szenario nach der Wahl weiterhin aus, bemerkte er. Zweitens, sagte Herr Rashid, ignorieren die Beteiligten die wirtschaftliche Situation des Landes. „Früher versorgte sich Afghanistan selbst mit Nahrungsmitteln, jetzt importiert das Land viele seiner Versorgungsmittel, von einer Industrie kann man nicht sprechen.“ stellte der Autor von Taliban fest. Wer Afghanistan nach 2014 weiterhin unterstützen wird sei das wahre Problem. „Ich sehe weder Unterstützung aus Washington, London, und nicht einmal von den europäischen Hauptstädten für mehr als ein oder zwei Jahre voraus.“ merkte er an. Ahmed Rashids drittes Argument bestand darin, dass die afghanischen Taliban zu Gesprächen bereit seien und dass es Übereinkünfte mit ihnen geben sollte.

Ahmed Rashid erklärte, dass diese Taliban seit sechs Jahren Regierungserfahrung haben, doch sie wissen, dass sie versagt haben und wieder versagen werden. Darum werden sie, statt die Regierung in Kabul zu stürzen, tatsächlich einverstanden sein, mit ihr zusammenarbeiten. Viertens gab es regional keine Bemühungen, die Einmischung in afghanische Angelegenheiten nach 2014 zu beenden. Er sagte, dass viel von dem Chaos in Afghanistan während der 90-ern durch die Einmischung verschiedener Länder verursacht wurde, und das solche Einmischung die Situation wieder nur noch aussichtsloser machen wird. Deshalb bedingt der Rückzug der USA dort einen gemeinschaftlichen Einsatz um zu verhindern, dass benachbarte Länder und andere Mächte in Afghanistan eingreifen. Darüber hinaus wies Ahmed Rashid darauf hin, dass die amerikanische Administration sich über ihre Afghanistanpolitik uneins ist, was klar wurde als die afghanischen Taliban einen US-Soldaten als Geisel hatten und für ihn ihre Kommandeure befreit sehen wollten. Die entschiedene Weigerung des Verteidigungsministeriums und die Verhandlungsziele des Außenministeriums zeigten offensichtliche Differenzen in Bezug auf das Problem. Diese verschiedenen Ziele zeigen ebenso, dass nach 2014 keine Sicherheit für Unterstützung durch die USA besteht, weder für die afghanische Nationalarmee, die massiv von den USA abhängig ist, und der afghanischen Regierung selbst, die über 80% ihres Haushalts aus Hilfsgeldern finanziert. Die Loyalität der afghanischen Armee und ihres erheblichen tadschikischen und usbekischen Offizierskaders, sind ebenso ein Grund zur Sorge.

Um die Unterschiede zwischen den afghanischen und den pakistanischen Taliban zu erläutern, gab Herr Rashid an, dass die afghanischen Taliban hauptsächlich darauf aus sind, die USA aus ihrem Land zu werfen, während das Ziel der pakistanischen Taliban darin bestehe, das Land zu diskreditieren und einen globalen Dschihad zu führen. Die pakistanischen Taliban haben auch eindeutig Verbindung zu Al Qaida und anderen terroristischen Organisationen, was Afghanistan nicht hat. Am wichtigsten, während die afghanischen Taliban bereit zum Gespräch sind, sind die pakistanischen Taliban es nicht. Pakistans Regierung offenbart derzeit Schwächen, und darum haben die pakistanischen Taliban keine Lust auf Kompromisse.

Zu den Problemen sagte Herr Rashid: „Ehe wir an Verschwörungstheorien glauben, sollten wir hinnehmen, dass wir die Probleme, unter denen wir leiden, selbst geschaffen haben. Nur dann werden wir anfangen unsere Probleme zu lösen.“ Er sagte, dass die PPP-Regierung jegliche Verantwortung auf das Militär abgeschoben hat, und die aktuelle Regierung ebenso unsicher erscheint, was zu tun sei. Pakistan benötigt eine klare Richtschnur, das umfasst die Bedrohung durch Gewalt, Gespräche, wirtschaftliche Initiativen, usw., wenn wir aus diesem Morast entkommen wollen. Halbherzige Maßnahmen oder nur die Gewichtung auf Gespräche können nicht funktionieren. Nur eine gut durchdachte und eindeutige Strategie unter Führung der Regierung kann funktionieren.

Quelle:

http://www.ahmedrashid.com/publications/pakistan/articles/

Ãœbersetzung: Thorsten Ramin

1 http://www.fccollege.edu.pk

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