Bitcoinmanie

Sue Halpern

 

Ausgabe 18. JANUAR 2018

Blockchain Revolution: How the Technology Behind Bitcoin Is Changing Money,

Business, and the World

von Don Tapscott und Alex Tapscott

Portfolio/Penguin, 348 S., $30.00

Attack of the Fifty Foot Blockchain: Bitcoin, Blockchain, Ethereum and Smart Contracts

von David Gerard

CreateSpace, 178 S., $16.95

Als ich im Oktober 2017 zum ersten Mal virtuelles Geld kaufte, wurden Bitcoins, die Kryptowährung, von der jeder bereits gehört hat, zu 5 919,20 $ gehandelt. Einen Monat später, als ich anfing dies zu schreiben, verkaufte sich ein Coin für 2 000$ mehr. „Coin“ ist eine Metapher. Eine Kryptowährung wie der Bitcoin ist rein digital: Es ist ein Codeblock – eine Reihe von Nummern und Buchstaben – der Verschlüsselungstechnik und ein dezentralisiertes Computernetzwerk verwendet, um Geschäfte abzuwickeln und neue Einheiten zu generieren. Sein Wert entstammt vollständig der Wahrnehmung der Leute von seinem Wert. Das Gleiche kann man von Papiergeld sagen, das jetzt von Gold und Silber losgelöst ist, oder, in diesem Fall, ohne Gold und Silber auskommen muss. Geld ist eine menschliche Erfindung. Es besitzt einen Wert weil wir es sagen.

2008, als eine Person oder mehrere unter dem Namen Satoshi Nakamoto die Informationsbroschüre „Bitcoin: Ein direktes elektronisches Barzahlsystem“ veröffentlichte, waren Bitcoins nichts wert, weil sie nicht existent waren. Drei Monate später, als die erste Version der Bitcoin-Software von Nakamoto veröffentlicht und die ersten Bitcoins gehandelt wurden, gab es sie im Grunde umsonst. Im September 2010 kostete ein einzelner Bitcoin etwa 6 Cent. Im Juli 2011 waren es 22,59 $. Und während der Preis seine Höhen und Tiefen erlebte, war der Trend insgesamt hoch, höher, noch höher. Ende 2013, als die Idee einer Währung, die ausschließlich von Computern durch verschlüsselte Algorithmen kontrolliert, geschaffen und gehandelt wird, ohne Vermittlung durch eine Zentralbank, einen Nationalstaat, eine Steuerbehörde oder irgendeine Art von Regulierung, Gestalt annahm, vor allem unter Liberalisten und denjenigen, die durch die Finanzkrise verunsichert waren, genauso bei Schwarzmarkttätern und Terroristen, waren es bereits fast 1000$.* Je höher der Preis, desto größer das Interesse von Investoren und Spekulanten, die den Preis noch höher schraubten.

Weil die Software programmiert wurde eine endliche Anzahl von Bitcoins herauszugeben – 21 Millionen – schien die aufsehenerregende Flugkurve des Bitcoin, und tut es immer noch, wie ein Lehrbuchfall von Angebot und Nachfrage. (Fast 80% wurden durch ein rechenintensiven Prozess mit Namen „Abbau“) Wie hoch wird der Preis gehen? Das Internet ist voll von Vorhersagen – 22 000 $ bis zum Ende des Jahres, 50 000 $ bis 2020 – die den Wert von Mitte Dezember bei über 18 000 $ aussehen lassen wie ein Schnäppchen, was, selbstverständlich, zu mehr Investitionen antreibt. Und das trotz Warnungen vor der Bitcoin-Blase, Vorhersagen eines zukünftigen Zusammenbruchs, und einem Verweis von Jamie Dimon, dem Vorstandsvorsitzenden von JPMorgan Chase, der Bitcoin einen Betrug nannte, der für Investoren nicht gut ausgehen wird. Dennoch gab Dimon zu, dass der Bitcoin für Menschen, die in Ländern mit instabiler Währung und Hyperinflation wohnen, wie Venezuela oder Argentinien, eine nützliche Möglichkeit sein könnte, als was er sich auch erwiesen hat.

Auch erkannte er seine Nützlichkeit für mehr als zwei Milliarden Menschen auf der ganzen Welt an, die keinen Zugang zu traditionellen Bankinstitutionen haben, bekannt als „die Banklosen“. Für sie kann ein Mobiltelefon als Sparbuch dienen, als Kreditkarte und um Zahlungen zu empfangen und zu senden. Eine Website namens Abra befähigt Leute Bitcoins zu senden, die auf 8 Dezimalstellen heruntergebrochen werden, von einem Mobiltelefon zu einem anderen, irgendwo auf der Welt; der Empfänger kann die Zahlung in Bitcoin behalten oder sie in digitale Dollar oder Pesos oder eine ander Währung umtauschen und sie bei Händlern ausgeben, die Abra als Bezahlsystem akzeptieren.

Es wird jedoch ein wenig komplizierter, wenn der Empfänger die Zahlung in Bargeld umwandeln will. Nehmen wir den Fall einer banklosen philippinischen Frau, die eine Überweisung von ihrer Tochter in Kanada erhalten hat. Wie Don und Alex Tapscott in Blockchain Revolution: How the Technology Behind Bitcoin Is Changing Money, Business, and the World erklären: „Sie prüft die App und stellt fest, dass es vier weitere Abra-Nutzer innerhalb eines Radius von vier Blöcken um sie gibt. Sie benachrichtigt sie alle um zu sehen, wer ihre digitalen Pesos in echte Pesos tauscht und zu welchem Preis. Die vier kommen auf sie zurück mit verschiedenen ‚Geboten‘.“ Sie entscheidet sich anschließend für den mit der höchsten Kundenzufriedenheit, und nicht dem tiefsten Gebot, und trifft ihm um den Tausch abzuschließen.

Bitcoin zu verwenden als wäre es „reguläres“ Geld um Dinge zu kaufen hat sich dennoch als schwieriger erwiesen, teilweise weil sein Wert weiterhin fluktuiert, und zum Teil weil Unternehmen es nicht schnell als Zahlungsmittel akzeptiert haben. Das kann sich ändern. Man kann jetzt Pizza von Domino’s damit bezahlen, oder einen Sandwich von Subway, ein Abo der Chicago Sun-Times oder dem Dish-Netzwerk (dish.com), ein Sofa (oder alles andere auf der Seite) von Overstock (overstock.com), eine Gallone Ahornsirup von einem kleinen Süßwarenhaus in Vermont, oder Flugtickets bei einigen Fluglinien – und die Liste wächst.

Meine eigene Erfahrung mit der Kryptowährung war banaler als die der Frau auf den Philippinen. Ich meldete mich auf einer Website genannt Coinbase an und eröffnete ein Konto, das mit meiner Kreditkarte vernetzt war. Coinbase bot mir an drei verschiedene digitale Währungen an: Bitcoin, Ether oder Litecoin. Da die 50$, die ich investieren wollte mehr als zehn mal weniger als die Kosten eines einzigen Bitcoin betrugen, selbst noch bevor Coinbase seine Service-Gebühr abzog, bezifferte ich den anteiligen Betrag an Bitcoin, den ich kaufen würde – etwa ein Bestellung von 0,0076 – auf kaum etwas wert. (Ganz ehrlich: Da lag ich falsch.) Anstelle von Bitcoin kaufte ich 0,16 Ether und im November 2017 lagen meine 50$ bei 54$. Hätte ich sie dann auszahlen lassen, würden die Gebühren von Coinbase meinen Betrag auf nahezu den Originaleinsatz gesenkt haben.

Heute können Überweisungsgebühren für Kryptowährungen generell, und Bitcoin speziell, recht happig sein. Die Ironie liegt in diesem Fall darin, dass digitale Währungen dafür gefeiert wurden, dass sie mehr Wert bieten als traditionelles Geld, weil es sich direkt von Person zu Person bewegt, ohne Einmischung außenstehender Vermittler wie Banken oder anderer Finanzinstitutionen. Theoretisch funktionieren Peer-to-Peer-Netzwerke so. Aber da mehr und mehr Geld in die digitalen Währungen floss, schlossen sich diese Banken und Finanzinstitutionen schließlich an.

Coinbase, zum Beispiel, das jetzt mehr Konten als der Finanzdienstleister Charles Schwab besitzt, begann als Start-Up im Silicon Valley, mit dem Ziel den Kauf- und Verkaufsprozess von Kryptowährungen so einfach zu machen wie Online-Banking. Es erhielt Investitionen von großen Risikokapitalfonds – Andreessen, Horowitz, Union Square Ventures, und, unter anderen – auch von der New Yorker Börse und einigen traditionellen Banken. Diese Investitionen haben den ewig-ansteigenden Wert der Kryptowährung weiter getrieben. Genau wie – bisher – der zusätzliche Markt Bitcoin Futures, der Mitte Dezember für den Handel eröffnet wurde.

Während Märkte nachvollziehbarerweise so arbeiten, hat der florierende Handel mit Bitcoins es schwierig für das Bitcoin-Betriebssystem gemacht, das Probleme mit dem großen Umfang der Transaktionen hat, die auf es zukommen. Was als strukturelle Eigenschaft der Bitcoin-Software anfing – dass nur Ein-Megabyte-Blöcke an Überweisungsdaten (aktuell 2 200 bis 2 500 Überweisungen im Durchschnitt) alle zehn Minuten verarbeitet werden können – ist zu einem strukturellen Hindernis geworden, da Überweisungen sich anstauen und sich die Geschwindigkeit, mit der neue bewältigt werden können, bis auf ein Schneckentempo verlangsamt. Einen Tag im vergangenen Dezember war der Verkehr in Bitcoin z.B. so überwältigend, dass viele Bitcoin-Kontoinhaber sich nicht auf ihren Konten anmelden konnten.

Selbst wenn es glatt läuft, ist das Bitcoin-Netzwerk in der Lage, nur sieben Überweisungen in der Minute zu verarbeiten. Dagegen verarbeitet Paypal 193 und Visa 1667. Sollte es irgendeine Gelegenheit für Bitcoin geben, zu einer kommerziell tragfähigen Bezahlmethode zu werden, muss es diese heraufsetzen. Aber der Ausbau erfordert eine strukturelle Veränderung, und da Bitcoin-Software ein Open Source-Projekt ist, ohne zentrale Aufsicht, sind Veränderungen daran der freiwilligen Entwicklergemeinde überlassen. Bisher sind zahlreiche Lösungen der Anpassung diskutiert worden, es hat sich aber keine Übereinstimmung ergeben.

Das wesentliche Problem für ein voll automatisiertes Geldsystem, das ausschließlich von Computern betrieben wird, ist Validierung: Wie sichert man ab, dass Überweisungen im Netzwerk berechtigt sind? Die Bitcoin-Software, die von Nakamoto entwickelt wurde, verwendet mehrere Methoden um damit fertig zu werden. Die erste ist reguläre Verschlüsselung. Ein Bitcoin ist nichts anderes als ein Eintrag an Wert – du hast sieben Bitcoins, du hast fünf Bitcoins usw. – kodiert und gespeichert im Bitcoin-System als Adresse. Um das Bitcoin freizugeben um etwas zu kaufen oder es auszuzahlen, muss sein Besitzer einen privaten Dekodierungsschlüssel verwenden, den nur sie oder er kennt, der mit dem Konto verbunden ist. Den privaten Schlüssel mit der Adresse zu verknüpfen wird vom dezentralisierten Computernetzwerk automatisch erledigt. Passt der Schlüssel nicht oder der Besitzer des privaten Schlüssels versucht ihr oder sein Bitcoin mehrfach zu verkaufen, verweigern die Computer den Handel.

Die „Kumpel“, die diese Transaktionen verifizieren und in einem Block versammeln – „Kumpel“ ist der Begriff für diejenigen, die die Computer im Netzwerk betreiben – werden von der Bitcoin-Software ebenso aufgefordert eine zusätzliche Validierung auszuführen, bevor der Block dem Bitcoin-Konto zugefügt werden kann. Genannt „Arbeitsnachweis“, ist es im Wesentlichen eine Zahlenlotterie in der alle Abbau-Computer darum konkurrieren eine algorithmisch erzeugte Zahl zwischen Null und 4 294 967 296 zu erraten, mit der richtigen Anzahl an Nullen davor. Die richtige Zahl zu finden erfordert Trilliarden Versuche und eine gigantische Menge an Computerleistung.

Die Idee hinter dem „Arbeitsnachweis“ ist, laut Daniel Krawisz, vom Satoshi Nakamoto Institut, es bedeutet eine „zusätzliche Verkomplizierung, wie ein Ritual, um dafür zu sorgen, dassBlöcke schwieriger zu generieren sind … [Es] ist … ein Mittel für eine Gruppe eigennütziger Menschen, von denen keiner dem anderen untergeordnet ist, ein Einigkeit zu erzeugen gegen einen beachtliche Anreiz, sich dagegen zu wehren.“ Weil es so viel Rechenleistung erfordert, die Zahl zu finden, sind Kumpel motiviert dafür zu sorgen, dass die Transaktionen, die sie bearbeiten, valide sind und sich nicht widersprechen. Aber in erster Linie sind sie motiviert „Arbeitsnachweis-“Nummer zuerst findet wird in (einer algorithmisch bestimmten Anzahl an) Bitcoins bezahlt. Auch wenn so neue Bitcoins erzeugt werden, oder „abgebaut“, und dem System zugefügt werden, wie Tapscott ausführt, ist Abbau (oder Schürfen),

eine ungeschickte Analogie, weil es ein Bild von Experten erzeugt, deren Können einen wettbewerblichen Vorteil verleiht … . Tut es nicht. Jeder Kumpel benutzt die Software wie ein Dienstprogramm im Hintergrund, und die Software erledigt alle Berechnungen … Es hat nichts mit Können zu tun.

Als das Bitcoin-Netzwerk 2009 seinen Betrieb aufnahm, konnten die Leute das Validierungsprogramm auf ihren PCs laufen lassen und Bitcoins verdienen, wenn ihr Computer das Problem zuerst löste. Als die Nachfrage für Bitcoins anstieg, und mehr und mehr Leute darum konkurrierten die zufälligen, algorithmischen Arbeitsnachweisbestätigungsnummer zu finden, wurde Geschwindigkeit unentbehrlich. Abbau erforderte nun gewiefte Grafikkarten und, wenn sich diese als zu langsam erwiesen, besondere, superschnelle Computer, die speziell gebaut wurden um Transaktionen zu validieren und Bitcoins zu bergen. Individuelle Kumpel sind zum größten Teil aus- und industrielle Operateure eingestiegen. Heute ist der Abbau so aufwendig, dass er in riesigen Rechenzentren stattfindet, in Ländern mit niedrigen Energiekosten, wie China oder Island. Eins davon, in der Stadt Ordos, mitten in der Mongolei, besteht aus einem Stab von fünfzig (Leuten) die 25 000 Computer in acht Gebäuden beaufsichtigen, die Tag und Nacht laufen. Eine Firma namens BitFury, die Abbaubetriebe in Island und der Republik Georgien betreibt, und ebenso spezialisierte, industrielle Rechenanlagen baut und verkauft, hat bisher eine geschätzte halbe Million Bitcoins angebaut. Zum heutigen Kurs sind das ungefähr 7,5 Milliarden Dollar.

Dennoch ist es kein freies Geld. Marco Streng, der Mitbegründer von Genesis Mining, schätzt, dass es seine Firma etwa 400$ Strom kostet um ein Bitcoin abzubauen. Nicht nur weil Bitcoin-Anbau rechenintensiv ist, sondern energie-intensiv. Einer Schätzung zufolge übersteigt der Energiebedarf des Bitcoin-Abbaus nun den von Irland und wächst so exponentiell, dass er den der Vereinigten Staaten bis zum Juli 2019 überholt. Vor einem Jahr berechnete der Vorstandsvorsitzende von BitFury, Valery Vavilov, dass Energie verantwortlich war für 90 bis 95% der Bitcoin-Abbaukosten der Firma. David Gerard zufolge – dessen neues Buch Attack of the Fifty Foot Blockchain, eine sachliche Erwiderung auf alle optimistischen Vorhersagen zur Kryptowährung, wie die der Tapscotts — „Bis Ende 2016“ verbrauchte eine einzelne Abbaueinrichtung in China „mehr als die Hälfte der geschätzten Energie, die alle Datenzentren von Google derzeit weltweit verbrauchten.“

Eine Art und Weise auf die Bitcoinschürfer diese Kosten loswerden ist genau die Sache, die digitales Geld, das direkt gehandelt wird, überflüssig machen sollte: Überweisungsgebühren. Einer Schätzung zufolge sind diese Gebühren seit März 2015 um 1 289 Prozent gestiegen. An jedem Tag betragen diese Kosten Millionen an Dollar und betragen inzwischen mehr als 20 Dollar pro Transaktion. Während Überweisungsgebühren nicht verbindlich sind, sind sie ein Weg für Nutzer zu versuchen, die Schlange in einem System voller Staus zu überspringen, da diejenigen, die Schürfern eine Gebühr anbieten, um ihre Transaktionen in einem Block unterzubringen, eine größere Chance haben, dass das (auch) passiert. Mit so vielen Transaktionen in der Schlange, die darauf warten bearbeitet zu werden, schweigen Schürfer darüber wer es an die Spitze der Schlange schafft; je höher die Gebühr, desto wahrscheinlicher ist es, ausgewählt zu werden. Wie die Erläuterungsseite Unlock Blockchain es formuliert: „Formen Schürfer einen Block, werden sie zu zeitweiligen Diktatoren über den Block. Willst du, dass deine Transaktionen durchgehen, musst du dem zuständigen Schürfer eine Gebühr bezahlen … Je höher die Transaktionsgebühr, desto schneller wird der Schürfer [die Transaktionen] in seinen Block aufnehmen.“ Folglich können Transaktionen stundenlang aufgehalten oder insgesamt fallen gelassen werden.“

Bitcoins hohe Transaktionsgebühren und langsame Zeiten waren zwei der Gründe, warum ich mich entschied Ether zu kaufen. Aber es gab noch einen weiteren Grund: Während Bitcoins erschaffen wurden um traditionelle Währungen zu umgehen, indem man eine neue Art von Geld anbot, wurde Ether, eine weitere Kryptowährung, die man kaufen, verkaufen und benutzen kann um Waren und Dienste zu erwerben, erschaffen um Kapital zu sammeln um ein Projekt zu finanzieren genannt das Etherum Netzwerk. Die Prinzipien, die dahinter stecken, bauen das aus was man als nächste Wendung des Internet anpreist, das Web 3.0, auch bekannt als „Blockchain“.

Eine Blockchain ist, im Kern, eine Art Informationen zwischen Parteien über das Internet zu bewegen, und diese Information und ihre Transaktionshistorie in einem anderen Computernetzwerk zu speichern. Bitcoin arbeitet z.B. mit einer Blockchain: Da Transaktionen in Blocks gesammelt werden,wir jedem Block eine eindeutige verschlüsselte Signatur zugeordnet, „Hash“ genannt. Ist das kryptografische Puzzle einmal von einem Schürfcomputer validiert, passieren drei Dinge: Das Ergebnis erhält einen Zeitstempel, ein neuer Block wird den vorherigen und nachfolgenden Blöcken unwiderruflich mit seinem eindeutigen Hash hinzugefügt, und der neue Block und sein Hash werden allen Computern mitgeteilt, die versucht haben, das Puzzle zu lösen. Dieses dezentralisierte Computernetzwerk ist der Speicher des unveränderlichen Kontos der Bitcointransaktionen. Wie die Tapscotts feststellen, „Solltest du ein Bitcoin stehlen wollen, müsstest du die gesamte Historie des Coins in der Blockchain für alle sichtbar neu schreiben.“

Während Bitcoin auf einer Blockchain basiert, handelt es sich nicht um die Blockchain. Die Erkenntnis von Vitalik Buterin, einem jungen Universalgelehrten, der Etherum erschaffen hat, war das die Blockchain neben dem Austausch von digitalem Geld benutzt werden kann um andere Arten von Transaktionen anderer Arten von Daten zu erleichtern, wie Besitzurkunden, Geburtsurkunden, medizinische Berichte, und Ladungszertifikate. Weil die Blockchain dezentralisiert ist und ihr Verzeichnis unveränderlich, wären diese Transaktionen vor Hackern geschützt; und weil die Blockchain ein unmittelbares Netzwerk ist, das Leute und Firmen direkt miteinander interagieren lässt, ist es grundsätzlich effizienter und ebenso günstiger als Systeme, die durch Mittelsmänner belastet sind, wie Juristen und Regulatoren.

Eine Firma, die der Nachahmung von Medikamenten vorbeugen will, nutzt die Blockchain um Medikamente von ihrer Herkunft bis zum Erwerb zu verfolgen. Ein anderes Unternehmen macht etwas ähnliches mit hochwertigen Sneakers. Noch ein weiters Start-Up, dieses heißt Paragon, sammelt gerade Geld um eine Blockchain zu erschaffen, die „alles registriert, die einem Cannabis-Produkt widerfahren, vom Samen bis zum Verkauf (Absamen!), sodass Konsumenten, Verkäufer und die Regierung wissen, wo alles herkam.“ „Wir behandeln Cannabis wie eine normale Saat.“ verriet die Gründerin und Vorstandsvorsitzende von Paragon, Jessica VerSteeg, ehemalige Miss Iowa, einem Reporter der Website Benzinga. „Also, genauso wie du wissen willst, wo das Getreide auf deinem Tisch herkam, oder der Apfel zum Abendessen, willst du wissen woher das Gras kam, das du konsumierst.“

Während eine Blockchain keine hundertprozentige Lösung für Betrug oder Hacken ist, sorgt seine dezentralisierte Infrastruktur dafür, dass es keine „Honigtöpfe“ mit Daten gibt, die für Kriminelle ausbeuten können. Dennoch, die vom Bitcoin stammende Technologie als Antwort auf Cyberkriminalität anzupreisen, mag etwas überspannt wirken, angesichts der sehr öffentlichen – und lohnenswerten – Diebstähle von Kryptowährungen in den letzten paar Jahren. Gerard bemerkt, dass seit März 2015 ein komplettes Drittel aller Bitcoin-Börsen“ – bei denen Leute ihr Bitcoin speicherten – „bisher gehackt wurden, und fast die Hälfte hat zugemacht.“ Am bekanntesten war die Plünderung von Mt. Gox, einer in Japan gelegenen digitalen Coin-Börse, bei der 850 000 Bitcoins, 460 000 000$ wert, verschwanden. Zwei Jahre darauf wurde eine weitere Börse, Bitfinex, gehackt, und um die 60 Millionen Dollar in Bitcoin wurden gestohlen; die Lösung der Firma bestand darin, den Verlust auf alle seine Kunden zu verteilen, einschließlich derer, deren Konten nicht entleert wurden. Dann war da noch in diesemJahr der Diebstahl durch Schadsoftware von 40 Millionen $ durch einen Mann in Pennsylvania. Er gestand, aber die anderen Diebe entkamen, und hinterließen ihre Opfer ohne Möglichkeit ihre Ersparnisse wiederzubekommen.

Anders als Geld auf einer Bank sind Kryptowährungen nicht versichert oder werden reguliert. Das ist eine der Folgen eines Geldsystems, das – absichtlich – jenseits der Kontrolle oder Aufsicht durch Regierungen besteht. Ds mag ein kleiner Trost für diejenigen sein, die von diesen Diebstählen betroffen waren, dass weder das Bitcoin- noch das Etherum-Netzwerk selbst durchbrochen wurden, was vielleicht die Immunität der Blockchain vor dem Hacken beweist. (2016 gab es einen 60 Millionen Hack einer Firma im Etherum System, jedoch passierte der Diebstahl weil es einen Fehler in der Software der Firma gab.)

Neben der Demonstration, dass eine Blockchain benutzt werden könnte, um neue Projekte aufzubauen, bewies Buterin ebenso, dass diese neuen Projekte finanziert werden könnten, wie das Etherum Netzwerk, durch den schwarmfinanzierten (crowd-funding) Verkauf ihrer eigenen Marken-Kryptowährung. Damit schuf Paragon z.B. sein eigenes digitales „Coin“, ParaCoin, und stellte 1000 000 000 zum Verkauf für 1$ pro Coin (bezahlbar in Kryptowährung). ParagonCoins können für Dienste gehandelt werden wenn das Geschäft einsatzbereit ist – wann immer das ist – oder mit Krypto- oder andere Währungen gehandelt werden.

Zusätzlich zu Jessica VerSteeg wird Paragon von Jayceon Tylor geleitet, der in einigen Kreisen besser bekannt ist als der Rapper The Game. Prominente Werber wie Taylor sind zur Gewohnheit geworden in dieser Welt der UCAs – ursprünglichen Coin-Ausgaben. Der Boxer Floyd Mayweather ist das Gesicht von Stox, einer UCA die 30 Millionen $ für einen Dienst sammelte, der Sportergebnisse vorhersagen soll, Aktienkurse, und sogar das Wetter. (Es scheint nicht vorhersagen zu können, wann Stox steht und läuft.) Ein weiterer Rapper, Ghostface Killah vom Wu-Tang-Clan ist der Markenbotschafter für Cream Capital, einer Firma, die 30 Millionen $ erwartet, um zum größten Kryptowährungslieferanten der Welt zu werden. Cream Capital bezog seinen Namen vom Wu-Tang-Hit von 1993 „…..“, das bedeutet „Bares beherrscht alles um mich herum“. Das ist jetzt umfunktioniert zu „Krypto beherrscht alles um mich herum“

Für den Moment – und bis die Börsenaufsichtsbehörde entweder entscheidet, das UCAs illegal sind oder Investoren argwöhnisch werden, Geld in Projekte zu schleudern, die nicht existieren und das vielleicht nie tun – scheint Krypto, in der Form von UCAs, die Start-Up-Finanzierung zu beherrschen; wie im vergangenen Sommer ist von diesen schwarmfinanzierten Coinanbietern mehr Geld gesammelt worden als von etablierten Projektkapitalfonds und privaten Investoren.

Nathaniel Popper, der für die The New York Times schreibt, erzählt von einer Gruppe von Programmierern in der Umgebung der Bucht, die 35 Millionen $ in weniger als 35 Sekunden einsammelten für den Vorschlag einen werbefreien Browser zu entwickeln, und einer Schweizer Gruppe, die 100 Millionen $ dafür bekam, um ein Online-Chat-Programm zu entwickeln. Laut der Website CoinDesk, Stand: dieser Herbst, sind 3,5 Milliarden $ in UCAs investiert worden, und das nahezu allein 2017, mit nahezu 3 Milliarden $, die zwischen Juni und Ende Oktober reinströmten. „Es ist wie wenn du ein kleines Kind bist und weisst, du kommst mit etwas davon.“ erzählte ein Investitions-Analyst namens Chris Burniske Popper. „Es wird nicht ewig anhalten, aber bis dahin macht es Spass. Dazwischen ist alles außer Rand und Band.“

Vitalik Buterins andere Neuerung bestand darin zu zeigen, wie elegant Verträge in der Blockchain geschrieben und gespeichert werden könnten. Dies sind Verträge, geschrieben in Quelltext, die die Bedingungen eines Abkommens bestimmen. Sie sind „elegant“, weil sobald die Bedingungen ausgehandelt sind, der Vertrag automatisch in Kraft tritt, ohne menschliches Zutun. Einmal ausgelöst, kann er nicht mehr berichtigt, manipuliert oder aufgehalten werden. Ein Autor der Stiftung für Wirtschaftliche Ausbildung nennt das „Programmierbares Geld“:

Ein Smart-Vertrag ist ein Werkzeug um die Welt zu verändern. Wir haben das geistige Modell all dieser miteinander verbundenen Computer. Nun stell dir vor, dass wir statt eine Transaktion abzustimmen .. wir Software synchronisieren … Jede Maschine im Netzwerk betreibt dasselbe kleine Programm. Es könnte etwas einfaches sein, wie eine Anleihe: Ich schicke dir etwas Geld und dein Konto zahlt es automatisch zurück, mit Zinsen, ein paar Tage später … Wir stimmen den Bedingungen alle zu und er wird abgeschlossen durch den Smart-Vertrag. Wir haben programmierbares Geld gewonnen. Du könntest sagen, dass sich das nicht sehr kompliziert anhört oder beeindruckend, aber warte nur ab und schau wohin es führt.

Wohin es führt kann sich keiner denken, aber zweifellos verstärken Smart-Verträge und die Blockchain selbst den Trend zur Automatisierung, auch wenn es Automatisierung durch Textzeilen ist, und nicht Roboter. Für Gewerbe, die Kosten sparen wollen, ist das einer der Hauptanziehungspunkt der Blockchain-Technologie. „Wenn Verträge automatisiert werden, was passiert dann mit der klassischen Firmenstruktur, mit Prozessen und Mittlern wie Anwälten und Buchprüfern?“ fragen Marco Iansiti und Karim Lakhani in der Harvard Business Review. Und was ist mit Managern? Ihre Rollen würden sich alle radikal verändern.“ Tatsächlich. Die meisten Blockchain-Fürsprecher denken sich ihren Wandel so grundlegend, dass sie insgesamt verschwinden, da sie für viele der Kosten verantwortlich sind, die man mit dem Geschäfte machen verbindet. Gemäß einem Bericht der Forschungsabteilung der spanischen Bank Santander, könnte die Blockchain „die Kosten der Bankeninfrastruktur, die durch grenzüberschreitende Zahlungen, Effektenhandel und behördliche Überwachung bedingt sind, um 15 bis 20 Milliarden $ pro Jahr verringert werden, bis 2022.“

Während die meisten Technologien dazu neigen, Arbeiter an der Peripherie, die schlichte Aufgaben ausführen, zu automatisieren,“ zitieren die Tapscotts Buterin, der sagt, „Blockchain automatisiert das Zentrum weg. Statt den Taxifahrer zu entlassen, entlässt die Blockchain Uber und überlässt dem Taxifahrer den Kunden direkt.“ Vergiss für einen Moment, dass sich das sehr danach anhört als stehe man auf der Straße und winke nach einer Droschke: Buterin spricht möglicherweise über etwas eigentlich sehr Revolutionäres, wie die Tapscotts in ihrem Titel andeuten. Ob es eine Revolution zum Guten wird, oder eine, die mit dem fortfährt, was inzwischen anmutet wie die unerbittliche, vernichtende Vormachtstellung der Technologie, wird nicht nur dadurch bestimmt werden, wo man sie anwendet, sondern wie.

Die CIA (mittels ihrer Risikokapitalgesellschaft In-Q-Tel), der Verteidigungsvertragsunternehmer Northrop Grumman, NASDAQ, Deloitte, Toyota, UnitedHealth, Fidelity, IBM, Credit Suisse, Goldmann Sachs, Microsoft, und selbst JPMorgan Chase, um nur ein paar zu nennen, alle wollen Blockchain Technologie verwenden. Genau wie UNICEF, der indische Staat Andhra Pradesh und die Stiftung Mercy Corps. Die Tapscotts stellen sich vor, dass die Blockchain von NGOs genutzt werden könnte, um die Korruption bei der Verteilung ausländischer Hilfen zu eliminieren, indem man es die Gelder direkt von den Gebern zu den Empfängern fließen lässt. Genauso sehen sie darin einen Weg für Banken ohne äußere Aufsicht zu agieren, die zu anderen Arten von Korruption aufruft. So oder so, wir täten gut daran uns zu erinnern, dass Technik niemals neutral ist. In ihr stecken immer die Wertvorstellungen ihrer Schöpfer. Im Fall der Blockchain und Kryptowährung sind diese Werte libertär und mechanistisch; Vertrauen beruht auf algorithmischen Regeln, während die Regeln des Staates und anderer regulativer Körperschaften als verdächtig und feindlich betrachtet werden.

Sowohl die Etherum- wie die Bitcoin-Blockchain sind öffentlich: Jeder kann ihre Transaktionsbücher einsehen. Aus diesem Grund nennt man sie „genehmigungsfrei“. Der Buchführer offenbart wer mit welchem Namen gekauft hat, aber er zeigt was gekauft wurde und wann, und mit welchem verschlüsselten Pseudonym.

Während das eine Sicherheitseigenschaft einer genehmigungsfreien Blockchain ist, hat sie sich auch als Segen für die gesetzliche Strafverfolgung erwiesen. Das FBI konnte Ross Ulbricht fangen, den Kopf der Silk Road – dem kriminellen Multimillionen-Dollar-Unternehmen, das er im Dark Net betrieb, mittels dessen Nutzer Waffen und Drogen und gestohlenes Gut gegen Bitcoins tauschen konnten – weil, nachdem man seinen Computer beschlagnahmt hatte, sie ihn zu den Bitcoin-Börsen verfolgen konnte, in denen er sein Geld gespeichert hatte. Sie verwandten anschließend das Konto um seine gesamte Transaktionshistorie aufzurollen.

Ulbricht verbüßt jetzt eine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung, und die Kriminellen und Terroristen, die sich, vor seiner Inhaftierung, auf Bitcoin verließen um ihre Identitäten zu schützen benutzen Tumbler – Programme, die Transaktionen vermischen um es schwieriger zu machen, sie zu einem Konto zu verfolgen – oder sie sind zu Kryptowährungen abgewandert, die volle Anonymität versprechen, was weder das Bitcoin- noch das Etherumnetzwerk tut.

Genau wie Kriminelle ihre Identitäten in der Blockchain schützen wollen, sind Unternehmen und andere Institutionen auf der Hut davor firmeneigene Informationen in ein genehmigungsfreies Netzwerk zu stellen. Stattdessen haben Betriebe untersucht, wie man die Blockchain für Geschäfte anpasst, schufen nur geladene Gäste, „genehmigte“ direkte Netzwerke, die Geschwindigkeit und Effizienz unterstützen (häufig durch Streichen von Arbeitsstellen und Umgehung von Regulierungen), Sicherheit, und Unmanipulierbarkeit, während die Öffentlichkeit und die energie-intensiven Eigenschaften des Originals der Blockchain-Technologie entsorgt wurden.

Vergangenen Mai kündigte das R3 Konsortium an – ein Verband der größten Banken und Finanzdienstleister einschließlich ING, Barclays, UBS, Wells Fargo und der Bank von Kanada, genau wie die Regierung von Singapur – dass es 107 Millionen Dollar gesammelt hatte, um eine kommerzielle (verriegelte) Blockchain-Anwendung zu entwickeln. Und Goldman Sachs hat seine eigene Kryptowährung patentiert, SETLcoin, um reale Vermögen zu digitalisieren und damit zu handeln, wie Eigentumsurkunden und Aktien in einer Blockchain. Gemäß Goldmans Patentanwendung, werden diese Anlagen von einer vertrauensvollen dritten Partei verifiziert, wie z.B. der Börsenaufsicht.

Es gibt keine bessere Veranschaulichung der Übertragung und Zustimmung – soll heißen Ergänzung und Pervertierung – von Satoshi Nakamotos Idee eines direkten, dezentralisierten Blockchain Handelsnetzwerks, entstanden während der Finanzkrise von 2008 und aufgrund eines anhaftenden Misstrauens gegenüber den Banken und Regierungen, als ein Kryptowährungspatent durch eine Investitionsbank, die sich auf eine offizielle dritte Partei, eine Aufsichtsbehörde für Authentifizierung verlässt.

Derweil, zum Drucktermin sind meine 50$ in Ether auf 130$ gestiegen, und Nakamotos Schöpfung wurde über 15 000$ gehandelt. Es dauerte fast fünf Jahre bis der Wert des Bitcoin von 0$ auf 1000$ gestiegen war; es dauerte fünf Stunden bis er von 15 000$ auf 16 000$ gestiegen war. So steigert sich der Wert von Geld normalerweise nicht. Aber Bitcoin ist alles, nur nicht normal. Es ist Computertext in den Leute die Idee eines Wertes investiert haben. Sollte die Idee, die sich jetzt in den Glauben verwandelt hat, dass es möglich ist mit bloßer Luft stinkreich zu werden, nicht länger im öffentlichen Bewusstsein hängen bleiben – wenn die Blase platzt – wird die Blockchain fortbestehen. Und diejenigen, die den Geldfluss steuern – die Banken und Regierungen – wissen, dass dort der wahre Wert von Nakamotos Erfindung liegt.

December 21, 2017

Übersetzung. Thorsten Ramin

Quelle: http://www.nybooks.com/articles/2018/01/18/bitcoin-mania/